Von 12 auf 27: Marokko will jeder Region eine eigene Universität geben

Präsidialgebäude der Universität Mohammed V in Rabat
Foto: Ftpmail, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko will die Zahl seiner öffentlichen Universitäten von 12 auf 27 mehr als verdoppeln und damit erstmals jede Region mit einer eigenen Hochschule abdecken. Hochschulminister Azzeddine El Midaoui stellte das Vorhaben am Montag in der ersten Fragestunde der neuen Legislaturperiode im Repräsentantenhaus vor.

Überfüllte Hochschulen und weiße Flecken

Hintergrund ist ein deutliches Ungleichgewicht: Nach den vorgestellten Zahlen steht die Hälfte der Universitäten in nur acht Provinzen, während mehr als 37 Provinzen keine Hochschuleinrichtung haben. Regionen wie Dakhla, Laâyoune, Guelmim und Errachidia haben bislang keine eigene Universität. Gleichzeitig sind die bestehenden Hochschulen überlastet: Im Schnitt studieren rund 95.000 Menschen an einer Universität, künftig sollen es weniger als 40.000 sein. Zum Vergleich nannte das Ministerium rund 33.000 Studierende pro Universität in der Türkei, 23.000 in Frankreich und 15.000 in Kanada. Bis 2030 wird ein Anstieg der Studierendenzahlen um 35 Prozent erwartet, an einzelnen Universitäten könnten dann bis zu 200.000 Studierende eingeschrieben sein.

66 neue Einrichtungen, 17 weitere in Vorbereitung

In den Jahren 2024 bis 2026 wurden nach Angaben des Ministers bereits 66 Hochschuleinrichtungen geschaffen. 46 davon entstanden durch die Teilung oder Umstrukturierung großer Einrichtungen mit offenem Zugang, 20 gehören zu einer „neuen Generation“. Für 17 weitere haben die Entwürfe der Dekrete die nationale Koordinierungskommission bereits passiert. Taourirt, Taroudant, Tiznit und Taounate verfügen inzwischen erstmals über eigene Hochschuleinrichtungen. Bis 2030 sind laut Hespress weitere 50 Einrichtungen der neuen Generation geplant, Kostenpunkt etwa 2 Milliarden Dirham. Die erste Phase, der Bau und Betrieb der Universitätsverwaltungen, ist mit 200 Millionen Dirham veranschlagt.

Das Ministerium begründet den Umbau auch mit sozialen Argumenten: Studierende sollen weniger Geld für Unterkunft und Transport ausgeben müssen, wenn sie nicht mehr in andere Regionen ziehen müssen. Zudem sollen Mädchen und Jugendliche aus benachteiligten ländlichen Gebieten besseren Zugang erhalten und die Studiengänge stärker am Arbeitsmarkt ausgerichtet werden. Nach Angaben aus der Sitzung bricht fast die Hälfte der Studierenden nach dem ersten Jahr ab, und die Arbeitslosigkeit unter Inhabern eines Bachelor-Abschlusses liegt über 20 Prozent.

Governance bleibt die offene Frage

Der Hohe Rat für Bildung, Ausbildung und wissenschaftliche Forschung gab laut Hespress zwar eine positive Stellungnahme ab, äußerte aber inhaltliche Bedenken zu Verwaltung und Kosten. Geplant sind neue Gesetze unter anderem für die nationale Forschungsbehörde CNRS, das Zentrum für Studierendenleben (CNVE) und die Qualitätssicherungsagentur AMEAQ. Verwaltungsräte sollen die Kontinuität der Hochschulpolitik sichern und die Universitätspräsidenten bewerten. Einen verbindlichen Zeitplan für das Erreichen von 27 Universitäten nennen die ausgewerteten Berichte nicht.

Quellen: Morocco World News, Hespress Français

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