Fonds Catalytique: Marokko mobilisiert 2,5 Milliarden Dirham für Startup-Finanzierung

Twin-Center-Bürotürme im Geschäftsviertel von Casablanca
Foto: HombreDHojalata, Lizenz CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko treibt die Finanzierung seiner Startup-Szene mit einem neuen staatlichen Instrument voran: Das Ministerium für digitalen Übergang und Verwaltungsreform hat gemeinsam mit dem Mohammed-VI-Investmentfonds (FM6I), der Caisse de Dépôt et de Gestion (CDG) und der Förderbank Tamwilcom einen sogenannten „Fonds Catalytique“ gestartet. Mit 347 Millionen Dirham (rund 36 Millionen US-Dollar) an öffentlichem Kapital sollen über drei Jahre insgesamt neun ausgewählte Risikokapitalfonds gestärkt werden – mit dem Ziel, private Investoren zum Mitziehen zu bewegen und am Ende rund 2,5 Milliarden Dirham (etwa 260 Millionen US-Dollar) für marokkanische Startups zu mobilisieren.

Neun Fonds für unterschiedliche Wachstumsphasen

Grundlage des Vorhabens ist eine Vereinbarung, die die beteiligten Institutionen bereits am 21. November 2025 in Rabat unterzeichnet hatten; mit der Veröffentlichung des Dekrets Nr. 2.26.576 am 3. August 2026 wurde der rechtliche Rahmen geschaffen, öffentlich vorgestellt wurde das Programm am 11. September 2026. Tamwilcom fungiert als Fondsmanager und hat neun Risikokapitalgesellschaften vorausgewählt: drei für die früheste Pre-Seed-Phase, zwei für Seed-Finanzierungen und vier für Series-A-Runden und spätere Wachstumsphasen. Das Prinzip dahinter beschreibt Nezha Hayat, Generaldirektorin des FM6I: Indem der Staat erste Verluste abfedere, „schaffen wir die Bedingungen dafür, dass nationale und internationale Fonds früher, stärker und häufiger einsteigen“.

Ministerin: Werkzeug soll Risiko für Investoren senken

Digitalministerin Amal El Fallah Seghrouchni bezeichnete den Fonds als „konkretes Instrument, um Risiken zu reduzieren und den Zugang zu Kapital zu erleichtern. Er ermöglicht es Investoren, kalkulierte Risiken einzugehen.“ Das Programm soll damit eine Lücke schließen, die marokkanische Gründer bislang oft zwingt, im Ausland nach Wachstumskapital zu suchen. Ziel ist es laut Ministerium, Marokko als Innovationsstandort in Afrika zu positionieren und die „digitale Souveränität“ des Landes zu stärken – ein Begriff, der zuletzt auch bei anderen Digitalprojekten der Regierung immer wieder auftaucht. Konkret nennt das Programm als Zielmarke, bis 2030 zehn sogenannte „Gazellen“ (schnell wachsende mittelgroße Unternehmen) und zwei „Einhörner“ (Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar) aus Marokko hervorzubringen.

Teil einer breiteren Förderstrategie

Der Fonds Catalytique reiht sich in eine Serie staatlicher Förderinstrumente für die marokkanische Gründerszene ein, die in den vergangenen Monaten angekündigt wurden – darunter ein Programm für bis zu 3.000 Startups bis 2030 sowie ein spezieller Innovationsfonds für Gaming-Studios. Anders als diese eher breit angelegten Förderprogramme setzt der neue Fonds gezielt an der Kapitalstruktur an: Er adressiert nicht einzelne Startups direkt, sondern die Risikokapitalfonds, die wiederum in sie investieren. Damit soll laut CDG-Generaldirektor Khalid Safir und Tamwilcom-Generaldirektor Said Jabrani ein nachhaltigeres Ökosystem für Wagniskapital in Marokko entstehen, das langfristig weniger auf staatliche Zuschüsse und stärker auf privates Kapital setzt. Ob sich die ambitionierten Ziele erreichen lassen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn die ersten Investitionen der neun Fonds in tatsächliche Firmengründungen und Arbeitsplätze münden müssten.

Quellen: Morocco World News, La Vie Éco, Hespress Français

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