
Mit dem Motto „Für eine hochwertige öffentliche Schule für alle“ hat Marokko am 7. September offiziell das neue Schuljahr 2026/2027 eröffnet. Landesweit kehrten mehr als 8,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in die Klassenzimmer zurück, davon rund 7 Millionen an öffentlichen Schulen. Bildungsminister Mohamed Saad Berrada eröffnete den Schuljahresstart persönlich an der neu eingeweihten Pionierschule Ibn Battouta im Bezirk Amer der Präfektur Salé und verschaffte sich vor Ort einen Überblick über vereinfachte Einschreibeverfahren, die Kommunikation mit Eltern und die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.
Mehr als 12.600 Schulen, über 300.000 Lehrkräfte
Die Dimensionen des marokkanischen Schulsystems zeigen sich in den Zahlen des Bildungsministeriums: Landesweit nehmen 12.661 öffentliche Bildungseinrichtungen den Betrieb auf, davon 7.015 in ländlichen Gebieten – mehr als die Hälfte des Gesamtbestands. An ihnen unterrichten 313.975 Lehrkräfte. Zum neuen Schuljahr kommen 288 zusätzliche Einrichtungen hinzu: 117 Grundschulen, 100 Collèges und 71 weiterführende Schulen. Mehr als 533.000 Kinder besuchen erstmals eine erste Klasse der Grundschule. Landesweit stehen zudem 1.176 Internate mit einer Kapazität von über 126.000 Plätzen bereit, davon 27 neu eröffnete Einrichtungen; mehr als 71.000 der Internatsplätze sind für Mädchen reserviert.
Vorschule wächst um mehr als 1.700 Klassen
Einen Schwerpunkt legt das Ministerium auf den Ausbau der Vorschulbildung. Landesweit stehen nun über 37.000 Vorschulklassen zur Verfügung, rund 1.700 mehr als im Vorjahr. Erwartet werden mehr als 650.000 Vorschulkinder, was einem Wachstum von 7,7 Prozent entspricht – in ländlichen Gebieten liegt der Zuwachs bei 6,5 Prozent. Ziel der Regierung ist es, die Einschulungsquote im Vorschulbereich landesweit auf 90 Prozent zu heben. Begleitet wird der Ausbau von der Kampagne „Mein erster Schritt“, die Familien für eine frühzeitige Einschreibung ihrer Kinder gewinnen soll. Ergänzt wird das Angebot durch „Zweite-Chance“-Programme für Jugendliche ohne Schulabschluss: Hier stieg die Zahl der Teilnehmenden um 74 Prozent auf 40.000, weitere 35.000 Jugendliche werden in Zentren der neueren Generation betreut.
Pionierschulen-Programm nimmt landesweit Fahrt auf
Besonders dynamisch entwickelt sich das Programm der sogenannten Pionierschulen, mit dem das Ministerium Unterrichtsqualität und Grundkompetenzen gezielt stärken will. Ihre Zahl stieg bei den Grundschulen auf 6.753 Einrichtungen – ein Plus von 2.125 gegenüber dem Vorjahr – mit 2,643 Millionen Schülerinnen und Schülern und 105.000 Lehrkräften. Bei den Collèges wuchs die Zahl der Pionierschulen auf 1.358, ein Zuwachs von 572 Einrichtungen, mit 1,095 Millionen betreuten Jugendlichen und 33.800 Lehrkräften. Wie der Regionaldirektor für Bildung, Mohamed Aouaj, mitteilte, sind in der Region Rabat-Salé-Kénitra inzwischen 85 Prozent der Grundschulen in das Programm eingebunden. Der Provinzdirektor von Salé, Rachid Arharbi, verwies zudem darauf, dass die Beteiligung auf Provinzebene innerhalb eines Schuljahres von rund 7 auf etwa 80 Prozent gestiegen sei – ein Tempo, das den politischen Willen hinter dem Ausbau unterstreicht.
Mit dem Schulstart rückt zugleich der bildungspolitische Rahmen der laufenden Legislaturperiode in den Fokus: Die Reform des öffentlichen Schulsystems gilt als eines der zentralen Versprechen der scheidenden Regierung und dürfte angesichts der Parlamentswahl am 23. September auch im Wahlkampf der kommenden Wochen eine Rolle spielen.
Quellen: Hespress Français, La Vie Éco, Morocco World News


