
In der Wahlbetrugsaffäre von Tanger hat sich der gesuchte Bürgermeister Mounir Limouri erstmals selbst zu Wort gemeldet. Der Kommunalpolitiker der Partei für Authentizität und Modernität (PAM) bestreitet, sich der Justiz durch eine Flucht nach Spanien entzogen zu haben, und kündigt seine baldige Rückkehr nach Marokko an.
Limouri: „Nur eine Geschäftsreise“
Gegenüber marokkanischen Medien erklärte Limouri, sein Aufenthalt in Spanien habe geschäftliche Gründe gehabt: „Je me suis rendu en Espagne pour rencontrer plusieurs partenaires commerciaux“ – er sei dorthin gereist, um mehrere Geschäftspartner zu treffen. Zum Zeitpunkt seiner Abreise habe weder ein Fahndungsersuchen noch eine gerichtliche Vorladung gegen ihn vorgelegen, so seine Darstellung. Zugleich versprach er, sich den Ermittlungen zu stellen: „Dans les prochains jours, je serai à Tanger pour comparaître devant la justice“ – in den kommenden Tagen werde er in Tanger vor Gericht erscheinen.
Marokkanische Behörden hatten am Freitag einen landesweiten Fahndungsbeschluss gegen den PAM-Provinzverantwortlichen erlassen, nachdem er nach Aussagen von Ermittlern noch am Wahlabend nach Spanien ausgereist war, bevor die Polizei ihn zu einer Gegenüberstellung laden konnte.
Fünf Verdächtige, gefälschte Stimmzettel
Ausgangspunkt der Affäre ist ein Vorfall im Wahllokal der Al-Qods-Schule im Tanger-Stadtteil Casabarata: Dort waren nach der Abstimmung am 23. September ein Sack mit vorausgefüllten, zugunsten der PAM markierten Stimmzetteln sowie in sozialen Netzwerken kursierende Videos verdächtiger Umschläge in einer Wahlurne aufgetaucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft weisen die sichergestellten Stimmzettel eine andere Tinte auf als das offizielle Wahlmaterial – ein zentrales Indiz in dem Verfahren wegen Wahlfälschung.
Fünf Personen wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen, darunter zwei Wahllokalvorsitzende und ihre Stellvertreter. Vier von ihnen wurden inzwischen der Staatsanwaltschaft vorgeführt, eine Person bleibt bis zum Abschluss der Untersuchung in Gewahrsam. Laut Berichten aus Tanger hatte einer der Festgenommenen bei seiner Vernehmung den Namen Limouris genannt, woraufhin dessen Ausreise nach Spanien bekannt wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, nach Abschluss der Ermittlungen die „angemessenen rechtlichen Maßnahmen“ zu ergreifen.
Belastungsprobe für die Wahlsiegerin
Die Affäre trifft die PAM zu einem heiklen Zeitpunkt: Die Partei von Fatima Zahra El Mansouri war am 23. September landesweit als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl hervorgegangen und führt seither die Sondierungen zur Regierungsbildung an – in Tanger-Assilah selbst musste sie sich jedoch der PJD geschlagen geben. Unabhängige Wahlbeobachter hatten bereits zuvor auf mehrere Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung hingewiesen. Ob und wie sich der Fall auf das Ansehen der Partei und ihre Position in den laufenden Koalitionsgesprächen auswirkt, dürfte sich erst mit Limouris angekündigter Rückkehr und seiner Aussage vor den Ermittlern zeigen.


