
Marokkos Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 spürbar an Tempo verloren. Wie das Hochkommissariat für Planung (HCP) am 30. September mitteilte, wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich um 4,0 Prozent – nach 5,8 Prozent im selben Zeitraum 2025. Getragen wurde die Expansion fast ausschließlich von einem starken Agrarsektor, während Industrie und Bergbau schrumpften.
Landwirtschaft und Fischerei als Wachstumsmotor
Der Primärsektor legte nach HCP-Angaben um 20,9 Prozent zu. Die Wertschöpfung der Landwirtschaft stieg um 21,2 Prozent (Vorjahr: 8,3 Prozent), die der Fischerei um 15,9 Prozent. Nach den Jahren der Dürre profitiert die Branche von besseren Niederschlägen und höheren Ernteerträgen – ein Effekt, den auch die jüngsten Wachstumsprognosen von Bank Al-Maghrib und der EBRD hervorgehoben hatten.
Nichtlandwirtschaftliche Aktivitäten bremsen deutlich
Deutlich schwächer entwickelte sich die übrige Wirtschaft. Das Wachstum der nichtlandwirtschaftlichen Aktivitäten sank von 4,9 auf 1,5 Prozent. Der HCP sprach von „kontrastierenden sektoralen Dynamiken“: Während die Landwirtschaft kräftig beschleunigte, verlor das Wachstum außerhalb des Agrarsektors klar an Fahrt.
Der Sekundärsektor schrumpfte insgesamt um 3,9 Prozent. Besonders hart traf es die Bergbauindustrie mit einem Minus von 28,6 Prozent (Vorjahr: plus 13,7 Prozent); das verarbeitende Gewerbe ging um 3,2 Prozent zurück, nachdem es ein Jahr zuvor noch um 4,3 Prozent gewachsen war. Das Baugewerbe kam auf ein Plus von 2,8 Prozent, deutlich weniger als die 7,6 Prozent im Vorjahresquartal. Der Dienstleistungssektor wuchs um 4,0 Prozent, nach 4,5 Prozent zuvor.
Geringe Inflation, höherer Finanzierungsbedarf
Das nominale BIP stieg um 4,4 Prozent, im Vorjahr waren es noch 7,5 Prozent. Die Inflation lag mit 0,4 Prozent weit unter dem Vorjahreswert von 1,7 Prozent. Das Wachstum stützte sich laut HCP vor allem auf die Binnennachfrage; zugleich wuchs der Finanzierungsbedarf der Volkswirtschaft weiter.
Die Zahlen zeigen, wie stark Marokkos Konjunktur nach wie vor vom Wetter und der Landwirtschaft abhängt. Für die künftige Regierung unter der designierten Regierungschefin Fatima Ezzahra El Mansouri dürfte die Schwäche von Industrie und Bergbau damit zu den drängenden wirtschaftspolitischen Aufgaben zählen.
Quellen: Hespress English, Yabiladi, Morocco World News


