Guterres-Bericht zur Westsahara: Autonomie als „realistischstes Ergebnis“ – Übergangsrat im Gespräch

Sitzungssaal des UN-Sicherheitsrats in New York (Symbolbild)
Foto: MusikAnimal, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Wenige Wochen vor der Entscheidung über die UN-Mission MINURSO hat der Bericht von UN-Generalsekretär António Guterres zur Westsahara die Debatte neu angeheizt. Das Dokument (S/2026/781, datiert auf den 1. Oktober) liegt den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrats vor und war zuletzt nur als vorläufige Fassung zugänglich. Nach Angaben von Medienberichten, die sich auf Auszüge stützen, rückt es einen möglichen Übergangsrat und die Umsetzung von Autonomie ins Zentrum.

„Realistischstes Ergebnis“: Autonomie als Verhandlungsbasis

Guterres bekräftigt laut Hespress, Autonomie könne „das realisierbarste Ergebnis“ darstellen („peut représenter le résultat le plus réalisable“). Er beruft sich dabei auf Resolution 2797 vom 31. Oktober 2025, die den marokkanischen Autonomieplan zur Grundlage von Verhandlungen machte. Zugleich mahnt er laut Morocco World News, jeder Vorschlag müsse einem „sinnvollen Konsultationsprozess mit der Bevölkerung der Westsahara“ unterzogen werden, damit den Sahrauis ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht vorenthalten werde. Marokko habe die weiterentwickelte Fassung seines Plans von 2007 samt einem Entwurf für ein Autonomiestatut an den UN-Gesandten Staffan de Mistura, die USA und die Konfliktparteien übermittelt; das Statut wurde bislang nicht veröffentlicht.

Direktgespräche und Idee eines Übergangsrats

Der Bericht zeichnet die ersten direkten Runden seit den Genfer Treffen von 2019 nach: Washington (18./19. Januar), Madrid (8./9. Februar) und erneut Washington (23./24. Februar). Beteiligt waren Marokko, die Polisario, Algerien und Mauretanien; die Leitung lag bei de Mistura und dem US-Botschafter bei der UN, Michael Waltz. In Madrid wurde laut Hespress die Schaffung eines „Übergangsrats“ erörtert, der als Rahmen für die Verhandlung der Details dienen könnte. Themen waren unter anderem Ressourcenteilung, Amnestie und Versöhnung, Entwaffnung und Wiedereingliederung, Sicherheitsmaßnahmen und Wahlsysteme. Mauretanien regte eine Kommission zur Festlegung der endgültigen Grenzen an. Ob der Rat vereinbart wurde, geht aus den Berichten nicht hervor. Nach Angaben von Morocco World News erarbeiteten UN und USA einen Entwurf für ein Rahmenabkommen zur Übergangsphase, den de Mistura nach Gesprächen zwischen März und Juni überarbeitete.

De Mistura betont laut Hespress, eine echte Autonomie brauche „solide internationale Garantien“. Als größtes Hindernis nennt der Bericht das Vertrauensdefizit, vor allem zwischen Marokko und der Polisario. Selbstbestimmung und Souveränität gelten als die heikelsten Punkte; die Co-Vorsitzenden behandelten sie getrennt mit den einzelnen Parteien.

MINURSO unter Druck – Entscheidung bis 31. Oktober

Das Mandat der Mission läuft am 31. Oktober aus; Guterres empfiehlt nach Angaben von Morocco World News eine Verlängerung um ein Jahr bis zum 31. Oktober 2027. Der Rat hat die Westsahara am 7. und 8. Oktober in geschlossenen Konsultationen beraten. Die Mission zählte Mitte August 155 Militärangehörige, ausstehende Beiträge summierten sich auf rund 80,3 Millionen US-Dollar. Ein direkter Kontakt zwischen dem MINURSO-Kommandeur und der Polisario-Militärführung besteht laut Bericht nicht, der Austausch läuft schriftlich. Die Mission untersuchte zudem Drohnen- und Raketenvorfälle bei Smara und Mijek.

Algeriens Außenminister Ahmed Attaf bekräftigte im September vor der UN-Generalversammlung die „prinzipielle Unterstützung“ für die Polisario und erklärte, Dekolonisierung lasse sich „niemals durch vollendete Tatsachen lösen“. Für Rabat ist die Abstimmung im Rat damit ein weiterer Test, ob die internationale Unterstützung für den Autonomieplan hält.

Quellen: Morocco World News, Hespress FR, Morocco World News

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