Social-Media-Verbot ab 15? Marokkos Regierung will Kinder aus Netzwerken und schädlichen Online-Spielen heraushalten

Kind spielt auf einem Smartphone ein Spiel (Symbolbild)
Foto: Shixart1985, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko will Kinder künftig per Gesetz aus sozialen Netzwerken heraushalten: Das Regierungsprogramm 2026–2031 der neuen Regierung von Ministerpräsidentin Fatima Ezzahra El Mansouri sieht ein Verbot der Nutzung sozialer Medien für Kinder unter 15 Jahren vor. Auch Online-Spiele, die als potenziell schädlich gelten, sollen für diese Altersgruppe gesperrt werden. Darüber berichtet das Portal Hespress.

Nationale Initiative „Digitale Kindheit“

Kern des Vorhabens ist eine nationale Initiative zum Schutz der digitalen Kindheit. Sie soll den Zugang zu Onlinediensten nach Altersstufen regeln und Smartphones in Grundschulen untersagen. Flankiert werden soll das Verbot durch Bildungsmaßnahmen: Digitale Kompetenz soll in die Lehrpläne aufgenommen werden, Eltern sollen Werkzeuge zur Kontrolle der Online-Aktivitäten ihrer Kinder erhalten, und ein Gütesiegel soll kindgerechte digitale Angebote kennzeichnen.

Zusätzlich kündigt das Programm an, Einrichtungen des Kinderschutzes und der Sozialfürsorge baulich, technisch und personell aufzurüsten. Kinder in Betreuungseinrichtungen sollen künftig nach Alter und Lebenslage getrennt untergebracht werden und stärkere pädagogische, medizinische und psychologische Unterstützung erhalten.

Viele Fragen noch offen

Konkrete Umsetzungsfristen nennt das Programm nach Angaben von Hespress nicht. Unklar bleibt bislang auch, wie ein Altersnachweis technisch funktionieren soll, welche Spiele als schädlich eingestuft werden, welche Sanktionen drohen und ob bereits ein Gesetzentwurf vorliegt. Reaktionen von Plattformen, Eltern- oder Kinderrechtsorganisationen liegen ebenfalls noch nicht vor.

In Marokko wird die Frage allerdings schon länger diskutiert. Hespress hatte bereits zuvor über wachsende Forderungen nach einer gesetzlichen Regulierung der Social-Media-Nutzung von Minderjährigen berichtet, und auch das Portal Le360 veröffentlichte einen Meinungsbeitrag, der ein Verbot für Minderjährige befürwortete. Als Gründe werden dort unter anderem Suchtgefahr, Manipulation und schwindende elterliche Kontrolle genannt.

Internationaler Trend

Marokko würde mit einem solchen Schritt einem internationalen Trend folgen. Morocco World News berichtete zuletzt, dass die Türkei den Zugang von Kindern unter 15 Jahren zu sozialen Medien ab dem 1. November untersagen will; zuvor hatte die Zeitung über entsprechende Pläne in Frankreich informiert. Ob und wie Marokko die Altersgrenze von 15 Jahren tatsächlich durchsetzt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Regierung konkrete Gesetzestexte vorlegt.

Quellen: Hespress English, Hespress English (Debatte), Morocco World News

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