
In Casablanca ist ein entscheidender Schritt für eines der größten Umweltprojekte Marokkos vollzogen worden: Am 3. August wurden die Konzessionsverträge für das künftige „Centre d’enfouissement et de valorisation“ (CEV) in Médiouna unterzeichnet. Das auf rund 15 Milliarden Dirham veranschlagte Projekt wird von einem internationalen Konsortium umgesetzt, dem das marokkanische Unternehmen Nareva, der japanische Konzern Itochu sowie das schweizerisch-japanische Unternehmen Kanadevia Inova als Konsortialführer angehören. Die Konzession läuft über 33,5 Jahre einschließlich der Bauphase.
Das Kraftwerk soll künftig jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen kommunaler Feststoffabfälle aus Casablanca verbrennen. Die dabei entstehende Wärme wird zur Stromerzeugung genutzt, mit einer geschätzten Kapazität von 115 Megawatt. Hinzu kommen ein Biogaskraftwerk mit 4 Megawatt, das Methan aus den Deponien nutzt, sowie eine Solaranlage mit 50 Megawatt auf freigewordenen Flächen. Insgesamt soll die erzeugte Strommenge den Bedarf von rund einer Million Menschen decken – etwa ein Viertel der Bevölkerung Casablancas.
Nach Angaben des Konsortiums soll das Projekt über die gesamte Laufzeit der Konzession bis zu 128 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen einsparen. Es handelt sich um die erste große, integrierte Anlage dieser Art in Marokko und die zweite ihrer Art auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bauarbeiten, die von dem marokkanischen Unternehmen Somagec ausgeführt werden, sollen noch in diesem Jahr beginnen und rund dreieinhalb Jahre dauern; die vollständige Inbetriebnahme wird für Mitte 2030 erwartet.
Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der Abfallwirtschaft der Metropole unter Führung von Bürgermeisterin Nabila Rmili. Die bisherige, rund 70 Meter hoch aufgetürmte Deponie von Médiouna gilt seit Langem als eines der größten Umweltrisiken der Stadt. Ein Teil des alten Deponiegeländes wird bereits in eine 40 Hektar große Grünfläche umgewandelt, während für die Übergangszeit bis zur vollständigen Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks eine kontrollierte Zwischendeponie im Einsatz bleibt.
Quelle: Le360


