Casablanca unterzeichnet Verträge für 15-Milliarden-Dirham-Müllverwertungsprojekt in Médiouna

Ein Müllverwertungskraftwerk in Deutschland, sinnbildlich für die geplante Anlage in Médiouna bei Casablanca
Foto: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

In Casablanca ist ein entscheidender Schritt für eines der größten Umweltprojekte Marokkos vollzogen worden: Am 3. August wurden die Konzessionsverträge für das künftige „Centre d’enfouissement et de valorisation“ (CEV) in Médiouna unterzeichnet. Das auf rund 15 Milliarden Dirham veranschlagte Projekt wird von einem internationalen Konsortium umgesetzt, dem das marokkanische Unternehmen Nareva, der japanische Konzern Itochu sowie das schweizerisch-japanische Unternehmen Kanadevia Inova als Konsortialführer angehören. Die Konzession läuft über 33,5 Jahre einschließlich der Bauphase.

Das Kraftwerk soll künftig jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen kommunaler Feststoffabfälle aus Casablanca verbrennen. Die dabei entstehende Wärme wird zur Stromerzeugung genutzt, mit einer geschätzten Kapazität von 115 Megawatt. Hinzu kommen ein Biogaskraftwerk mit 4 Megawatt, das Methan aus den Deponien nutzt, sowie eine Solaranlage mit 50 Megawatt auf freigewordenen Flächen. Insgesamt soll die erzeugte Strommenge den Bedarf von rund einer Million Menschen decken – etwa ein Viertel der Bevölkerung Casablancas.

Nach Angaben des Konsortiums soll das Projekt über die gesamte Laufzeit der Konzession bis zu 128 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen einsparen. Es handelt sich um die erste große, integrierte Anlage dieser Art in Marokko und die zweite ihrer Art auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bauarbeiten, die von dem marokkanischen Unternehmen Somagec ausgeführt werden, sollen noch in diesem Jahr beginnen und rund dreieinhalb Jahre dauern; die vollständige Inbetriebnahme wird für Mitte 2030 erwartet.

Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der Abfallwirtschaft der Metropole unter Führung von Bürgermeisterin Nabila Rmili. Die bisherige, rund 70 Meter hoch aufgetürmte Deponie von Médiouna gilt seit Langem als eines der größten Umweltrisiken der Stadt. Ein Teil des alten Deponiegeländes wird bereits in eine 40 Hektar große Grünfläche umgewandelt, während für die Übergangszeit bis zur vollständigen Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks eine kontrollierte Zwischendeponie im Einsatz bleibt.

Update (5. September 2026): BUTEC erhält Bauvertrag für das Kraftwerk

Das Konsortium aus Nareva, Kanadevia Inova und Itochu hat den libanesischen Baukonzern BUTEC mit dem EPC-Vertrag (Engineering, Procurement, Construction) für das Müllverwertungskraftwerk in Médiouna beauftragt. BUTEC übernimmt demnach die Bauleistungen, Stahl- und Architekturarbeiten sowie die technische Gebäudeausrüstung, während Kanadevia Inova weiterhin die Verbrennungstechnologie, die Prozessanlagen sowie Betrieb, Wartung und Finanzierung des Projekts verantwortet. Nach aktuelleren Angaben soll die Anlage jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen nicht recycelbaren Abfalls verarbeiten und dabei eine Grundlastleistung von 126 Megawatt erzeugen; die Konzessionsdauer von 33,5 Jahren mit der Stadtverwaltung Casablanca bleibt unverändert. Raymond Daou, Senior Vice President für Strategie und Geschäftsentwicklung bei BUTEC, erklärte, das Unternehmen etabliere sich mit dem Auftrag – nach eigenen Angaben bereits das dritte große Müllverwertungsprojekt in Folge – als bevorzugter genereller EPC-Partner in diesem strategischen Sektor.

Quellen: Le360, Trade Arabia

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