
Am Mittwochabend haben zahlreiche Marokkanerinnen und Marokkaner den Blick gen Himmel gerichtet: Eine tiefe partielle Sonnenfinsternis zog über das Land, bei der der Mond die Sonne in Tanger zu rund 92 Prozent verdeckte. In Rabat versammelten sich Dutzende Einheimische und Touristinnen und Touristen in der Nähe des Mausoleums Mohammed V., um das Schauspiel mit Schutzbrillen zu verfolgen, während am Kap Spartel bei Tanger ebenfalls viele Schaulustige zusammenkamen.
Marokko knapp außerhalb des Kernschattens
Die Finsternis begann je nach Ort ab etwa 18:44 Uhr und erreichte ihren Höhepunkt gegen 19:40 Uhr in Tanger sowie 19:43 Uhr in Casablanca. Während Marokko nur eine partielle Verfinsterung erlebte, verlief der schmale Pfad der totalen Verdunkelung über Teile Spaniens. Der marokkanische Astrophysiker Youssef Moulane erklärte gegenüber Hespress English, warum: „Wir können nicht überall auf der Welt die totale Finsternis haben, nur ein Teil kann sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Schatten des Mondes befinden.“ Casablanca kam auf rund 87 Prozent Bedeckung, Rabat auf etwa 88 Prozent – Tanger war damit die bestplatzierte Großstadt des Landes.
Warnung vor ungeschütztem Blick in die Sonne
Moulane warnte eindringlich davor, die Finsternis ohne spezielle Schutzbrille zu beobachten: „Selbst bei 99 Prozent Bedeckung ist es nicht sicher, weil der verbleibende Teil der Sonne noch immer hell genug ist, um ernsthafte Augenschäden zu verursachen.“ Er betonte zudem, dass Finsternisbrillen nicht mit gewöhnlichen Sonnenbrillen verwechselt werden dürften. Auch die NASA weist darauf hin, dass nur während der kurzen Phase der Totalität ein ungeschützter Blick in die Sonne möglich ist – eine Erfahrung, die Marokko diesmal nicht machen konnte.
Vorgeschmack auf die totale Finsternis 2027
Für enttäuschte Beobachterinnen und Beobachter gibt es bereits einen Termin zum Vormerken: Am 2. August 2027 wird eine totale Sonnenfinsternis den Norden Marokkos überqueren, von Tanger über Saidia bis in den Osten des Landes. Die NASA zählt Marokko neben Teilen Südeuropas und Nordafrikas zu den Ländern im Pfad der Totalität. Ein marokkanisches Forschungsteam hielt sich zur diesjährigen Finsternis im spanischen Palencia auf, um im Rahmen eines gemeinsamen Projekts der Universität UM6P und des kanarischen Astrophysik-Instituts IAC Erfahrungen für die Beobachtung im kommenden Jahr zu sammeln.
Quellen: Hespress English, timeanddate.com


