Marokkos Hochschulgewerkschaft kündigt Boykott und Doppelstreik zum Semesterstart an

Präsidiumsgebäude der Universität Mohammed V in Rabat

Foto: Ftpmail, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Kurz vor dem Start des akademischen Jahres 2026/2027 kündigt die dem Gewerkschaftsbund CDT angeschlossene Nationale Gewerkschaft für Hochschulpersonal und Universitätswohnheime eine neue Eskalationsstufe im Streit mit dem Bildungsministerium an. Vom 1. bis 14. September ruft sie zu einem Boykott der Semestereröffnung auf, flankiert von zwei jeweils 72-stündigen Streiks vom 8. bis 10. sowie vom 15. bis 17. September. Für den 9. September ist zusätzlich ein Protestmarsch vor dem Ministerium für Hochschulbildung in Rabat angekündigt. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft vor allem Verwaltungs- und technisches Personal an Universitäten sowie die Beschäftigten der staatlichen Studentenwohnheime, der sogenannten „cités universitaires“.

Forderungen: Sozialdialog, Grundstatut und Gehaltserhöhung

Die Gewerkschaft begründet ihren Schritt mit mehreren seit Langem ungelösten Forderungen. Im Zentrum steht die aus ihrer Sicht ausgesetzte sektorale Sozialdialog-Runde mit dem Ministerium. Hinzu kommen Verzögerungen bei der Verabschiedung eines seit Jahren diskutierten Grundstatuts für das Personal an Universitäten und Studentenwohnheimen, eine bislang nicht umgesetzte Gehaltserhöhung sowie liegen gebliebene Beförderungsakten. Die Gewerkschaft wirft dem Ministerium vor, frühere Zusagen im Sozialdialog nicht eingehalten zu haben.

Vorgeschichte: Schon im März Streik gegen Hochschulgesetz

Der aktuelle Konflikt reiht sich in eine längere Serie von Arbeitskämpfen im marokkanischen Hochschulsektor ein. Bereits im März 2026 hatte die separate Gewerkschaft SNESup, die Professorinnen, Professoren und Forschende vertritt, einen zweitägigen Streik gegen das Gesetz Nr. 59.24 zur Hochschulbildung organisiert. Sie kritisierte, das Gesetz gehe nicht ausreichend auf Fragen der Universitätsführung, den beruflichen Status der Forschenden und den fehlenden sektoralen Dialog ein. Auch in den Vorjahren hatte es rund um den Semesterstart wiederholt Streikankündigungen und Sit-ins im Hochschulbereich gegeben.

Wiederkehrendes Muster zum Semesterstart

Auffällig ist der Zeitpunkt: Bereits zum Start des vorangegangenen akademischen Jahres 2025/2026 hatte dieselbe CDT-Gewerkschaft mit einem Boykott der Rentrée gedroht, damals ebenfalls verbunden mit der Forderung nach einem eigenen Grundstatut für das nicht-lehrende Hochschulpersonal. Dass die Auseinandersetzung ein Jahr später erneut eskaliert, deutet darauf hin, dass die zentralen Streitpunkte zwischen Gewerkschaft und Ministerium bislang nicht gelöst wurden.

Druck kurz vor Semesterbeginn

Mit der Terminierung von Boykott und Streiks direkt auf die Rentrée setzt die Gewerkschaft die Regierung unter zeitlichen Druck: Ohne eine rasche Wiederaufnahme des Sozialdialogs drohen Beeinträchtigungen bei Einschreibungen, Lehrveranstaltungen und dem Betrieb der Universitätswohnheime zu Beginn des neuen Studienjahres, von denen landesweit Hunderttausende Studierende betroffen wären. Eine offizielle Reaktion des Ministeriums für Hochschulbildung auf die Ankündigung lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.

Quellen: Barlamantoday, Marocv.com

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