
Rund zwei Monate vor den marokkanischen Parlamentswahlen hat die Istiqlal-Partei als eine der ersten großen Kräfte eine erste Welle ihrer lokalen Spitzenkandidaten bekanntgegeben. Die Liste umfasst 70 Wahlkreisleiter in zehn Regionen des Königreichs – für eine landesweite Abdeckung aller 92 lokalen Wahlkreise fehlen damit noch 22 Namen, die in den kommenden Wochen folgen sollen.
Minister als Zugpferde in Schlüsselwahlkreisen
Besonders auffällig ist, dass die Istiqlal mehrere amtierende Minister in medienwirksamen Wahlkreisen antreten lässt. Parteichef Nizar Baraka, zugleich Minister für Ausrüstung und Wasser, kandidiert in Larache. Industrie- und Handelsminister Ryad Mezzour tritt in Benslimane an, Transportminister Abdessamad Kayouh in Taroudant-Süd und der frühere Staatssekretär für Außenhandel, Omar Hejira, in Oujda-Angad – einer Hochburg der Partei im Osten des Landes. Auch der Mediziner Allal Amraoui, eine bekannte Figur der Partei in Fès, tritt in Fès-Süd an. Die Nominierungen signalisieren den Willen der Istiqlal, ihre wichtigsten Hochburgen mit politisch schwergewichtigen Namen abzusichern.
Erfahrene Kandidaten, begrenzter Frauenanteil
Das Profil der ersten Kandidatenwelle ist im Schnitt vergleichsweise erfahren: Das Durchschnittsalter liegt bei 56,3 Jahren, der jüngste Kandidat ist 23, der älteste 79 Jahre alt. Auffällig ist der geringe Frauenanteil – in der ersten Liste findet sich mit der Kandidatin Madiha Khayir in Béni Mellal bislang nur eine Frau. Die Partei verweist jedoch darauf, dass die separaten Regionallisten traditionell zu zwei Dritteln mit Frauen besetzt werden und weitere lokale Kandidatinnen in den noch ausstehenden Ankündigungen folgen könnten. Inhaltlich dominieren in der ersten Welle Unternehmer, Anwälte, Ärzte und Landwirte mit starker lokaler Verankerung – ein klassisches Muster, das auf regionale Netzwerke und wirtschaftlichen Einfluss vor Ort setzt.
Enger Wettbewerb mit RNI, PAM und PJD erwartet
Die Vorstellung der Kandidatenlisten markiert den Übergang in die operative Phase des Wahlkampfs vor dem Urnengang am 23. September 2026, bei dem alle 395 Sitze des Abgeordnetenhauses neu vergeben werden. Die offizielle Wahlkampagne läuft nach bisherigem Stand vom 10. bis zum 22. September. In mehreren der von Istiqlal besetzten Wahlkreise werden bereits jetzt enge Duelle mit der bislang regierenden RNI, der PAM und der islamistischen PJD erwartet. Wie sich die Kandidatenlisten der Konkurrenz weiter entwickeln und wie die restlichen 22 Istiqlal-Wahlkreise besetzt werden, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
Quellen: Médias24


