
Apple hat am 27. August 2026 damit begonnen, im marokkanischen App Store eine Mehrwertsteuer von 20 Prozent auf digitale Verkäufe zu erheben. Der Schritt betrifft zunächst die Erlöse der App-Entwickler und ist Teil einer neuen marokkanischen Digitalsteuer, die ausländische Plattformen erstmals systematisch zur Kasse bittet.
Neue Steuerpflicht für ausländische Digitalanbieter
Grundlage ist Artikel 115 bis des marokkanischen Allgemeinen Steuergesetzbuchs in Verbindung mit einem im Dezember 2025 veröffentlichten Dekret. Seit dem 11. Juni 2026 müssen ausländische Anbieter digitaler Dienste – von Streamingdiensten wie Netflix und Spotify über soziale Netzwerke wie Meta und TikTok bis zu KI-Diensten wie ChatGPT und Claude – sich bei der marokkanischen Steuerbehörde DGI registrieren, vierteljährlich Umsätze melden und 20 Prozent Mehrwertsteuer auf in Marokko erzielte Erlöse abführen. Die Maßnahme soll nach Angaben der Steuerbehörde eine Lücke schließen: Ausländische Digitalanbieter hatten bislang faktisch steuerfrei operiert, während marokkanische Unternehmen regulär Mehrwertsteuer entrichten mussten.
Entwickler zuerst betroffen, Kunden folgen im September
Apple passte die Auszahlungen an Entwickler bereits am 27. August an das neue Steuerregime an – bei einer auf den Bruttopreis aufgeschlagenen Steuer von 20 Prozent verringert sich der Anteil, der App-Entwicklern verbleibt, spürbar. Die für Kunden sichtbaren Preise im App Store ändern sich dagegen erst zum 14. September 2026, sodass zwischen beiden Terminen eine knapp dreiwöchige Lücke entsteht, in der Nutzer noch zu alten Preisen kaufen, Entwickler aber bereits weniger ausgezahlt bekommen. Ausgenommen sind Entwickler, die Marokko als Basis-Vertriebsland hinterlegt haben – bei ihnen bleiben die dortigen Preise unverändert, während sich die Anpassung stattdessen auf andere Länder verteilt. Neben Marokko führte Apple zum gleichen Stichtag eine 18-prozentige Mehrwertsteuer in der Republik Kongo ein und erhöhte in Tansania die Digitalsteuer von 2 auf 3 Prozent.
Höhere Preise für marokkanische Nutzer erwartet
Für Verbraucher dürfte die Umstellung spürbar werden: Da Unternehmen die neue Steuer in aller Regel an ihre Kunden weitergeben, rechnen Branchenbeobachter mit Preiserhöhungen von rund 20 Prozent bei Abonnements ausländischer Digitaldienste – ein ChatGPT-Plus-Abo für umgerechnet rund 20 US-Dollar würde damit auf etwa 24 US-Dollar steigen. Die Digitalsteuer reiht sich ein in eine Reihe jüngerer marokkanischer Initiativen rund um die heimische Digitalwirtschaft, von der Förderung lokaler Gaming-Studios bis zur Digitalisierung der Justiz – nun verbunden mit dem Versuch, auch bei ausländischen Tech-Konzernen einen fairen Steuerbeitrag durchzusetzen.
Quellen: PPC Land, 9to5Mac, Morocco World News


