4 Milliarden Dirham für die Psyche: Marokko startet nationalen Gesundheitsplan bis 2030

Krankenhauszentrum Moulay Youssef in Rabat, Außenansicht
Foto: RACHID BAYA, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko hat einen nationalen Plan zur psychischen Gesundheit mit einem Finanzvolumen von knapp vier Milliarden Dirham auf den Weg gebracht. Gesundheits- und Sozialschutzminister Amine Tehraoui stellte den „Plan Santé Mentale 2030“ am Mittwoch in Rabat vor. Ziel ist es, die Versorgungskapazitäten des Landes bis zum Ende des Jahrzehnts spürbar auszubauen und den Zugang zu psychiatrischer und psychologischer Behandlung deutlich zu verbessern.

85 Prozent ohne Zugang zu Behandlung

Der Handlungsdruck ist groß: Nach Angaben des Ministeriums leben rund 6,5 Millionen Marokkanerinnen und Marokkaner mit einer psychischen Erkrankung, darunter etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren. Schätzungen zufolge haben 85 Prozent der Betroffenen derzeit keinen Zugang zu einer angemessenen Behandlung. Psychische Störungen verursachen laut den vorgestellten Zahlen 22,3 Prozent aller mit Behinderung gelebten Lebensjahre im Land. Dem stehen bislang nur 6,7 psychiatrische Betten und 1,5 Psychiater je 100.000 Einwohner gegenüber; im öffentlichen Sektor arbeiten derzeit landesweit lediglich rund 30 Psychologen. Minister Tehraoui bezeichnete das Vorhaben als „eine sektorübergreifende Politik, die mit anderen öffentlichen Politiken verzahnt ist“ und auf „präzise und quantifizierbare Maßnahmen“ setze. Man wolle künftig früher eingreifen, die Aufnahmekapazitäten verdoppeln und die Personalausstattung deutlich stärken, um psychische Gesundheitsversorgung bis 2030 für alle zugänglich zu machen.

Kapazitäten sollen sich bis 2030 verdoppeln

Konkret sieht der Plan vor, die Zahl der psychiatrischen Krankenhäuser von 10 auf 17 zu erhöhen und die Zahl intermediärer Versorgungseinrichtungen von 4 auf 24 auszubauen. Die Bettenkapazität soll von derzeit 2.466 auf 4.728 nahezu verdoppelt werden. Beim Personal sind noch deutlichere Sprünge vorgesehen: Die Zahl der Psychologen im öffentlichen Dienst soll von 32 auf 786 steigen, die jährliche Ausbildungskapazität für Psychiater von 36 auf 124 Plätze wachsen und die Ausbildung spezialisierter Pflegekräfte für psychische Gesundheit von 490 auf 750 Plätze zunehmen. Zudem soll der Anteil psychischer Gesundheit am öffentlichen Gesundheitsbudget von 1,2 auf 5 Prozent steigen, während die verpflichtende Krankenversicherung künftig 98 Prozent der Bevölkerung mit Deckung für psychische Erkrankungen erreichen soll.

86 Maßnahmen auf drei Handlungsfeldern

Der Plan gliedert sich in insgesamt 86 Einzelmaßnahmen entlang dreier strategischer Achsen: Prävention und Förderung psychischer Gesundheit, Neuorganisation der Versorgungsstrukturen sowie soziale Wiedereingliederung Betroffener. Vorgesehen sind unter anderem eine frühere Erkennung von Erkrankungen, gestärkte Unterstützung für vulnerable Gruppen sowie eine Regionalisierung der Angebote, damit Versorgung nicht länger auf wenige Ballungsräume beschränkt bleibt. Ergänzend ist ein rechtlicher Rahmen für den Beruf des Psychologen geplant, der die Profession erstmals klar regulieren soll. Ob sich die ambitionierten Zielmarken bis 2030 tatsächlich erreichen lassen, wird sich an der schrittweisen Umsetzung der Maßnahmen in den kommenden Jahren zeigen müssen.

Dieser Beitrag behandelt ein sensibles Thema. Wer selbst betroffen ist oder sich Sorgen um eine nahestehende Person macht, findet Unterstützung bei entsprechenden Beratungsstellen vor Ort.

Quellen: Morocco World News, Yabiladi

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