Belgische Presse kürt Marokkos Oriental-Region zur nächsten Tourismusdestination

Sonnenuntergang am Strand von Saïdia an der Mittelmeerküste der Region Oriental
Foto: Meryem BOURAS, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Belgiens Wirtschaftszeitung L’Echo sieht in der marokkanischen Region Oriental im Nordosten des Landes das Potenzial zu einer neuen internationalen Tourismusdestination. In einem am 8. September veröffentlichten Beitrag beschreibt die Brüsseler Tageszeitung den rund 200 Kilometer langen Mittelmeerküstenstreifen zwischen Saïdia und Al Hoceïma als bislang unterschätztes Terrain, das mit Stränden, einer Lagune und einem Gebirgsmassiv abseits der etablierten Touristenpfade wie Marrakesch oder Agadir aufwarten kann.

Marina, Golfplätze und eine geschützte Lagune

Kernstück der touristischen Infrastruktur ist die Küstenstadt Saïdia mit einer Marina für bis zu 850 Boote, zwei Golfplätzen sowie einem wachsenden Angebot an Wassersport- und Freizeitaktivitäten. Auch neue Wohn- und Bauprojekte entstehen dort. Rund 40 Kilometer weiter westlich liegt die Lagune von Marchica bei Nador, ein ökologisch wertvolles Feuchtgebiet, an dem die touristische Infrastruktur laut L’Echo zuletzt ausgebaut wurde. Landeinwärts sorgt das Bergmassiv Beni Snassen mit Tälern, Schluchten und Wanderwegen für ein naturtouristisches Kontrastprogramm zum Strandurlaub. Die Zeitung resümiert, wer sich die Zeit nehme, hinzuschauen, sehe in der Region nichts als Potenzial.

Marokko baut Flugverbindungen gezielt aus

Dass die Region nicht zufällig in den Fokus rückt, zeigt die Strategie des marokkanischen Fremdenverkehrsamts ONMT: Die Sitzplatzkapazität an den Flughäfen von Oujda und Nador wurde nach eigenen Angaben binnen drei Jahren um 50 Prozent erhöht. Direktflüge, Charterprogramme und zusätzliche Kapazitäten richten sich gezielt an den französischen, iberischen, Benelux- und deutschen Markt, hinzu kommen neue Verbindungen nach Osteuropa. Ab 2027 soll die Oriental-Region zudem vollständig in die internationale Marketingkampagne des ONMT integriert werden, begleitet von digitalen Kampagnen, die sowohl die marokkanische Diaspora als auch internationale Reiseveranstalter und Buchungsplattformen ansprechen sollen. Ziel ist es nach Angaben des Fremdenverkehrsamts, die Region durch organisierte Rundreisen und ein ganzjähriges Veranstaltungsangebot von der bisherigen saisonalen und geografischen Randlage zu einem verlässlichen, das ganze Jahr über buchbaren Reiseziel zu entwickeln. Neben Saïdia und der Marchica-Lagune zählen dazu auch die Beni-Snassen-Berge, die Tropfsteinhöhlen von Taforalt sowie mehrere Thermalquellen der Region.

Konkurrenz zu Marokkos etablierten Zielen

Für Marokko, das im laufenden Jahr bereits deutliche Zuwächse bei den Touristenankünften verzeichnet, wäre die Etablierung der Oriental-Region als eigenständiges Reiseziel ein weiterer Baustein der Diversifizierungsstrategie im Tourismussektor. Während der Süden und die Königsstädte des Landes bereits stark frequentiert sind, soll der Nordosten laut ONMT künftig mit einem eigenen Profil aus Strand-, Sport-, Wellness- und Naturtourismus punkten – und damit auch saisonale Spitzenbelastungen an anderen Standorten des Landes abfedern.

Quellen: Libération Maroc, Biladi, Air Journal

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