
Der britische Batteriematerial-Hersteller Falcon Energy Materials plc hat sich eine weitere Finanzierungsrunde für sein Graphit-Anodenwerk in Marokko gesichert: Wie das an der TSX Venture Exchange gelistete Unternehmen am 12. September mitteilte, sammelt es über eine vollständig zugesagte Privatplatzierung 30 Millionen Kanadische Dollar ein. Das Geld soll nach Angaben von CEO Matthieu Bos die Wachstumspläne des Unternehmens in Marokko und international absichern und zugleich allgemeine Betriebsmittel bereitstellen. Ein Teil der Mittel könnte zudem in eine mögliche Minderheitsbeteiligung an einem chinesischen Anodenmaterial-Hersteller fließen.
Von der Pilotanlage zum 25.000-Tonnen-Werk
Falcon hatte bereits im Juli 2026 in der Industriezone von Fluoralpha SA bei Jorf Lasfar, unweit von El Jadida, eine Pilotanlage in Betrieb genommen. Dort wird beschichteter, sphäronisierter und gereinigter Graphit (CSPG) in Qualifizierungsmenge für Kundentests hergestellt – ein Zwischenschritt auf dem Weg zur kommerziellen Fabrik, die einmal 25.000 Tonnen Anodenmaterial pro Jahr für Lithium-Ionen-Batterien liefern soll. „Die Eröffnung unserer Pilotanlage in Marokko ist ein entscheidender Meilenstein für Falcon. Sie markiert unseren Übergang von Planung und Beschaffung zur operativen Umsetzung“, erklärte Bos bereits zur Eröffnung. Für den Bau der großen Anlage hatte sich Falcon im April 2026 zusätzlich eine Finanzierungszusage über bis zu 70 Millionen US-Dollar von einem nicht namentlich genannten strategischen Partner gesichert. Die erste kommerzielle Produktion peilt das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte 2027 an; nach eigenen Prognosen soll das Werk im Vollbetrieb ein jährliches EBITDA von rund 152 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 62 Prozent erwirtschaften.
Jorf Lasfar wird zum zweiten Standbein der Batterie-Lieferkette
Mit dem Falcon-Projekt entsteht in Jorf Lasfar bereits das zweite große Batteriematerial-Vorhaben: Wenige Kilometer entfernt produziert das chinesisch-marokkanische Gemeinschaftsunternehmen COBCO von CNGR Advanced Material und der Holding Al Mada bereits nickelbasierte Vorprodukte für Elektroauto-Batterien. Während COBCO auf Nickel- und Kobaltchemie setzt, will Falcon mit Graphit-Anodenmaterial einen anderen, ebenfalls zentralen Baustein der Batteriezelle liefern – nach eigenen Angaben Teil eines vertikal integrierten Modells, das Rohgraphit aus Minen in Guinea über die Weiterverarbeitung in Marokko bis zu Kunden in Europa und Nordamerika führen soll.
Marokko positioniert sich als Alternative zur chinesischen Lieferkette
Für Marokko fügt sich das Projekt in eine wachsende Zahl von Investitionen ein, mit denen das Land seine Automobilindustrie um eine eigene Batteriesparte erweitert. Dazu zählen die geplante Gigafabrik von Gotion High-Tech in Kénitra mit einem Volumen von 6,4 Milliarden Dollar sowie ein Gemeinschaftsunternehmen von LG Chem und der Huayou-Gruppe zur Herstellung von LFP-Kathodenmaterial, das von Marokkos großen Phosphatvorkommen profitiert. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die heimische Elektrofahrzeug-Produktion von rund 100.000 Einheiten im laufenden Jahr auf 600.000 bis 2030 zu steigern. Projekte wie das von Falcon sollen dabei helfen, einen wachsenden Anteil der Wertschöpfungskette – von der Rohstoffverarbeitung bis zum fertigen Batteriematerial – im Land zu halten, statt Rohgraphit oder fertige Zellen zu importieren.
Quellen: Morocco World News, The North Africa Post, Falcon Energy Materials plc


