Chinesisch-französische Kabel-Allianz: Xinhongye und Acome planen Joint Venture in Marokko

Große Kabeltrommel mit aufgerolltem Kabel (Symbolbild)
Foto: Antti Leppänen, Lizenz CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Ein chinesischer Kabelhersteller und ein französischer Automobilzulieferer wollen gemeinsam in Marokko produzieren: Wuxi Xinhongye Wire & Cable Technology plant laut einer Mitteilung an die Shenzhener Börse ein Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Acome-Gruppe, die bereits seit 2018 ein Werk in der Freihandelszone von Tanger betreibt. Das Investitionsvolumen liegt bei bis zu 229 Millionen Renminbi, umgerechnet rund 32 Millionen US-Dollar. Das Vorhaben steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung chinesischer und marokkanischer Behörden.

Kabelspezialist trifft auf erfahrenen Tanger-Investor

Xinhongye mit Sitz in Wuxi in der ostchinesischen Provinz Jiangsu stellt unter anderem Kabel für Elektrofahrzeuge, Solaranlagen, Energiespeicher, Kernkraftwerke und Informationsinfrastruktur her. Für das Marokko-Geschäft soll das Unternehmen zunächst eine Tochtergesellschaft in Hongkong gründen, über die anschließend gemeinsam mit Acome in das neue Gemeinschaftsunternehmen investiert wird. Acome wiederum ist in Marokko kein Neuling: Der französische Zulieferer eröffnete bereits im Januar 2018 sein erstes Automobilwerk außerhalb Frankreichs in der Freihandelszone von Tanger, damals mit einer Investition von 19 Millionen Euro. Auf 17.000 Quadratmetern produziert die Anlage jährlich rund 1,5 Millionen Kilometer Drähte und Kabel für die Autoindustrie, bei der Eröffnung waren unter anderem der damalige Investitionsminister Othman El Ferdaous und TMSA-Präsident Fouad Brini zugegen.

Marokko als Drehscheibe der Autozulieferindustrie

Die geplante Partnerschaft reiht sich in eine wachsende Zahl chinesischer Investitionen in Marokkos Automobilsektor ein, die zunehmend gemeinsam mit europäischen Partnern oder in bestehende Zulieferstrukturen erfolgen. Nach Unternehmensangaben entfallen bereits rund ein Viertel der gesamten Automobilkabel-Produktion für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) auf Marokko – ein Resultat der Nähe zu den europäischen Absatzmärkten, niedrigerer Produktionskosten und der etablierten Zuliefererbasis rund um Tanger und Kenitra. Erst kürzlich hatte Marokko vermeldet, dass die Automobilindustrie den Phosphatsektor als wichtigsten Exportzweig des Landes überholt hat; auch bei Batterien für Elektrofahrzeuge entstehen mit Projekten wie der Gotion-Gigafabrik in Kenitra neue Kapazitäten.

Genehmigungsverfahren läuft noch

Konkrete Angaben zu Standort, Produktionsstart oder der Zahl der zu schaffenden Arbeitsplätze liegen bislang nicht vor. Auch offizielle Stellungnahmen von Xinhongye oder Acome zu den Projektdetails stehen noch aus. Sollte das Vorhaben wie geplant von den Behörden beider Länder genehmigt werden, würde es die Position Marokkos als Standort für chinesisch-europäische Gemeinschaftsprojekte in der Automobilzulieferkette weiter stärken – ein Modell, das Investoren zunehmend als Weg nutzen, um Zölle und geopolitische Spannungen zwischen China, der EU und den USA zu umgehen.

Quellen: Morocco World News, Acome

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