Sicherheitsrat-Kandidatur und Gaza-Einsatz: Marokko erhöht sein diplomatisches Gewicht bei der UN

Außenminister Nasser Bourita bei einem Pressetermin in New York (Archivaufnahme)
Foto: Ministerie van Buitenlandse Zaken, Lizenz CC BY-SA 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko hat bei der UN-Generalversammlung in New York seine außenpolitischen Ambitionen deutlich erhöht: Außenminister Nasser Bourita kündigte am Mittwoch offiziell die Kandidatur des Königreichs für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat für die Amtszeit 2028-2029 an. Zugleich bekräftigte er, dass Marokko sich mit einem Feldlazarett und Ausbildungspersonal an der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza beteiligen wird.

Bewerbung um Sicherheitsrat mit Verweis auf Afrikas Unterrepräsentation

Bourita begründete die Kandidatur damit, dass Afrika bei zentralen Entscheidungen über internationalen Frieden und Sicherheit weiterhin unterrepräsentiert sei, und forderte in seiner Rede vor der Generalversammlung „strukturelle Reformen des UN-Sicherheitsrats“. Mit dem Schritt positioniert sich Marokko als Kandidat für einen der zehn wechselnden Sitze des Gremiums und tritt damit in Konkurrenz zu anderen afrikanischen Staaten, die traditionell untereinander eine Kandidatur abstimmen. Beobachter werten die Ankündigung als Signal, dass Rabat sein diplomatisches Gewicht nach der Süd-Süd-Kooperation und den zahlreichen internationalen Anerkennungen seines Autonomieplans für die Westsahara nun verstärkt auch in globalen Sicherheitsfragen einbringen will.

Feldlazarett, Polizeiausbildung und Anti-Extremismus-Programme für Gaza

Zur Gaza-Frage erklärte Bourita, Marokko habe entschieden, sich an der internationalen Stabilisierungstruppe zu beteiligen. Konkret sollen die Königlichen Streitkräfte ein Feldlazarett mit chirurgischen Kapazitäten für die Versorgung von Zivilisten aufbauen und betreiben. Daneben sollen marokkanische Offiziere palästinensische Zivilpolizisten taktisch ausbilden und als Verbindungsoffiziere innerhalb der örtlichen Sicherheitsstrukturen fungieren; hinzu kommen technische Programme zur Bekämpfung von gewaltbereitem Extremismus nach Ende der Kampfhandlungen. Marokko hatte bereits im Juli 2026 eine Teilnahmevereinbarung für die Gaza-Stabilisierungsinitiative unterzeichnet, die jetzt mit konkreten Beiträgen unterlegt wird.

Zwei-Staaten-Lösung und Kritik an Siedlungspolitik

Der Außenminister bekräftigte Marokkos Unterstützung für einen „unabhängigen, souveränen und lebensfähigen palästinensischen Staat“ in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt, der in Frieden neben Israel bestehen solle. Er forderte eine „strikte Durchsetzung“ der Waffenruhe in Gaza sowie eine groß angelegte humanitäre Hilfslieferung. Gleichzeitig kritisierte Bourita die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland, Gesetzesinitiativen mit Auswirkungen auf den Status palästinensischer Gebiete sowie Übergriffe von Siedlern, die aus seiner Sicht zur Vertreibung von Palästinensern beitragen könnten. Er verwies zudem auf die Rolle von König Mohammed VI. als Vorsitzendem des Al-Quds-Komitees der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, das über die Agentur Bayt Mal Al-Quds Al-Sharif den Erhalt des Charakters Jerusalems und die Lebensbedingungen seiner Bewohner unterstützt. Zur Sahara-Frage bekräftigte Bourita mit Verweis auf die UN-Sicherheitsratsresolution 2797 vom Oktober 2025, der Weg zu einer Lösung auf Basis der marokkanischen Autonomie unter Rabats Souveränität sei „unumkehrbar“.

Update, 26. September: Vorhut aus 500 Soldaten in Marsch gesetzt

Wenige Tage nach Bouritas Ankündigung nimmt der marokkanische Beitrag zur internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza (International Stabilization Force, ISF) konkrete Formen an. Der US-amerikanische Kommandeur der Truppe, Generalmajor Jasper Jeffers, erklärte laut Berichten vom 25. September, eine aus 500 Soldaten Marokkos und des Kosovo gebildete Vorhut stehe einsatzbereit; mehrere Erkundungsmissionen im Raum Rafah seien bereits durchgeführt worden. Die Vorhut soll zunächst helfen, Waffen und militärische Infrastruktur der Hamas zu sichten und einen schrittweisen Übergang der Sicherheitsverantwortung an eine interimistische palästinensische Verwaltung vorzubereiten. In späteren Phasen sollen weitere Kontingente aus Albanien und Kasachstan hinzukommen; als zusätzliche Truppensteller werden Indonesien, Ägypten und Jordanien genannt. Marokkos Beitrag umfasst neben Offizieren der Königlichen Streitkräfte und der Königlichen Gendarmerie auch das bereits angekündigte Feldlazarett sowie die Unterstützung bei der Ausbildung palästinensischer Polizeikräfte.

Quellen: Hespress English, Morocco World News, Hespress Français (Update), Morocco World News (Update)

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