
Marokko gehört im Investitionsrisiko-Vergleich von Bloomberg Economics zur oberen Hälfte Afrikas, liegt aber deutlich hinter den Spitzenreitern. Im „Investment Risk-O-Meter“ 2026 belegt das Land Platz 7 von 19 untersuchten Volkswirtschaften und erreicht einen Gesamtwert von 0,2. Die Einordnung stammt aus einem Bericht von Morocco World News vom 6. Oktober.
Mauritius und Südafrika vorn, dichtes Mittelfeld
Die Tabelle führt Mauritius mit 0,6 Punkten an, gefolgt von Südafrika mit 0,5. Ägypten, Ghana, Botswana und die Elfenbeinküste teilen sich mit je 0,3 Punkten die Plätze dahinter. Marokko liegt damit hinter sechs Volkswirtschaften und vor zwölf anderen. Direkt dahinter folgt Nigeria auf Rang 8 mit 0,1 Punkten; das Land hat sich nach Angaben des Berichts um vier Plätze verbessert, getragen von besseren Werten bei wirtschaftlicher Stärke, Haushaltslage und externer Anfälligkeit.
Weil sechs der zehn bestplatzierten Märkte nur zwischen 0,1 und 0,3 Punkten liegen, entscheiden kleine Unterschiede über die Reihenfolge. Marokkos Platz 7 sollte deshalb nicht überbewertet werden – ein einzelner Indikator kann im Mittelfeld mehrere Positionen verschieben.
Fünf Kriterien fließen in den Wert ein
Bloomberg bewertet jede Volkswirtschaft anhand von fünf Bereichen: wirtschaftliche Stärke, Haushaltsstärke, Institutionen und Regierungsführung, Infrastruktur sowie externe Anfälligkeit. Indikatoren wie Wirtschaftswachstum, Verschuldung, politisches Risiko und Währungsreserven werden standardisiert und zu einem Gesamtwert zusammengeführt. Der Wert misst kein konkretes Risikoniveau, sondern ordnet die Länder relativ zueinander ein.
Wichtig ist auch der Zuschnitt der Liste: Die 19 Volkswirtschaften machen zusammen etwa ein Drittel der afrikanischen Wirtschaftsleistung aus. Es handelt sich um große Märkte sowie um Länder mit besonderen Anziehungspunkten für Investoren, etwa Rohstoffvorkommen oder Finanzplätze. Ein Ranking aller afrikanischen Staaten ist es nicht.
Autoindustrie, Luftfahrt und Erneuerbare als Pluspunkte
Als Stärken nennt der Bericht Marokkos Rolle als kontinentaler Automobilstandort, insbesondere für Fahrzeug- und Elektroauto-Exporte nach Europa, sowie die Investitionen in Luftfahrt und erneuerbare Energien. Außerdem erinnert er daran, dass S&P Global Ratings Marokko 2025 auf BBB- angehoben hatte; das Land war demnach zu diesem Zeitpunkt der einzige afrikanische Eurobond-Emittent mit Investment-Grade-Rating.
Für die Regierung, die derzeit an der Haushaltsplanung für 2027 arbeitet, ist der Befund ein gemischtes Signal: Das Land wird als stabiler Investitionsstandort wahrgenommen, der Abstand zu den Spitzenreitern bleibt jedoch spürbar. Wie sich Marokko in den Teilbereichen Haushaltsstärke und externe Anfälligkeit entwickelt, dürfte bei künftigen Auflagen des Rankings entscheidend sein – zuletzt wuchs das Handelsdefizit des Landes deutlich schneller als die Exporte.
Quellen: Morocco World News


