
Marokko positioniert sich zunehmend als militärischer Ausbildungsknotenpunkt für afrikanische Streitkräfte. Wie mehrere marokkanische und internationale Medien berichten, bereiten die Königlichen Streitkräfte (FAR) gemeinsam mit der NATO eine Trainingsrunde im Rahmen des sogenannten Defence Education Enhancement Programme (DEEP) vor, die zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 in Marokko stattfinden soll. Im Mittelpunkt steht dabei gezielt der Ausbau der Fähigkeiten von Unteroffizieren – ein Bereich, den die NATO als Schlüssel für professionellere und nachhaltigere Streitkräfte in der gesamten Region betrachtet.
DEEP-Programm: Marokko seit 2025 Mitglied
Das 2007 gegründete DEEP-Programm unterstützt Partnerländer der NATO bei der Reform ihrer militärischen Ausbildungssysteme, etwa durch die Entwicklung von Lehrplänen und die Qualifizierung von Ausbildern. Marokko trat dem Programm 2025 bei. Allein in jenem Jahr wurden nach NATO-Angaben im DEEP-Rahmen fast 600 Aktivitäten mit rund 1.800 Experten aus NATO-Mitgliedstaaten durchgeführt. Die strategischen Gespräche zur konkreten Ausgestaltung der marokkanischen Session führt Marokkos Botschafter bei der NATO, Ahmed Réda Chami. NATO-Generalsekretär Mark Rutte würdigte Marokko in seinem Jahresbericht 2025 ausdrücklich dafür, dass das Land eine trilaterale Zusammenarbeit zwischen der NATO, Marokko und Drittstaaten in Afrika angestoßen habe, um deren Unteroffiziere weiterzubilden.
AMTEC in Tan-Tan: Trainingszentrum für ganz Afrika
Die geplante DEEP-Session steht nicht isoliert da, sondern reiht sich in eine größere marokkanisch-amerikanische Initiative ein: Am 13. Juli 2026 unterzeichneten die FAR und das US-Kommando AFRICOM ein Abkommen zum Aufbau des „Africa Multidomain Training and Experimentation Center“ (AMTEC) in Tan-Tan, das bis 2030 unter anderem eine Drohnen-Akademie und ein Innovationszentrum umfassen soll. FAR-Kommandant General Mohammed Berrid erklärte, das Projekt knüpfe an bereits vorhandene marokkanische Kapazitäten an und ermögliche „rapid progress from concept to operational reality“ – also einen raschen Übergang vom Konzept zur einsatzbereiten Realität. AFRICOM-Kommandant General Dagvin Anderson bezeichnete AMTEC als Baustein, der die Einsatzbereitschaft und die fortgeschrittenen Fähigkeiten beider Nationen stärke.
Ausbildung für ein Dutzend afrikanischer Streitkräfte
An Übungen und Trainingsformaten rund um die marokkanisch-amerikanische Kooperation nehmen neben marokkanischen auch Streitkräfte aus Nigeria, Ghana, Kamerun, der Elfenbeinküste, Äthiopien, Liberia und weiteren afrikanischen Staaten teil. Für Rabat ist die Doppelstrategie aus DEEP-Mitgliedschaft und AMTEC-Aufbau ein weiterer Baustein, um sich als sicherheitspolitischer Ankerpunkt südlich des Mittelmeers zu etablieren – eine Rolle, die laut NATO-Bericht 2025 durch Marokkos Engagement im Rahmen des Mittelmeerdialogs bereits heute anerkannt wird.
Quellen: Morocco World News, Yabiladi


