
Foto: USDAgov/Lance Cheung, gemeinfrei (Public Domain), Quelle: Wikimedia Commons
Marokkos Gesundheitsministerium hat am Montag den Ausbruch von Diphtherie in der Region Souss-Massa bestätigt. Nach Angaben der Behörden wurde bislang ein Fall im Labor bestätigt, acht weitere Verdachtsfälle werden untersucht. Zwei Menschen sind gestorben, wobei das Ministerium einen ursächlichen Zusammenhang mit der Diphtherie bislang nicht offiziell bestätigt hat.
Zwei Krankheitsherde im Süden des Landes
Betroffen sind nach Ministeriumsangaben zwei familiäre Herde in der Präfektur Agadir Ida-Outanane sowie in der Provinz Chtouka Ait Baha. Die regionale Gesundheitsgruppe (Groupement sanitaire territorial) Souss-Massa hat umgehend Eiltrupps entsandt, um epidemiologische Untersuchungen einzuleiten. Dazu gehören eine aktive Fallsuche, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie die vorsorgliche Gabe von Antibiotika und Impfungen an Personen im Umfeld der Betroffenen. Nach Angaben des Ministeriums waren die betroffenen Kinder entweder gar nicht oder nicht vollständig gegen Diphtherie geimpft.
Erster bestätigter Fall seit über 20 Jahren
Der jetzt bestätigte Fall markiert nach Angaben marokkanischer Medien den ersten labortechnisch nachgewiesenen Diphtherie-Fall im Land seit mehr als zwei Jahrzehnten. Diphtherie ist eine hochansteckende, durch Tröpfcheninfektion übertragene bakterielle Erkrankung, die vor allem Rachen und obere Atemwege befällt. Unbehandelt kann sie schwere Komplikationen wie Atemwegsverschluss sowie Schäden an Herz und Nervensystem verursachen. Durch flächendeckende Impfprogramme galt die Krankheit in Marokko wie in den meisten Ländern der Welt seit Langem als weitgehend zurückgedrängt.
Gesundheitsministerium ruft zu Impfkontrolle auf
Die Behörden fordern Eltern und Erziehungsberechtigte auf, die Impfausweise ihrer Kinder zu überprüfen und fehlende Dosen umgehend nachholen zu lassen. Wer Symptome wie starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Atemnot bei sich oder seinen Kindern bemerkt, solle unverzüglich medizinische Hilfe aufsuchen. Antidiphtherie-Serum und Antibiotika stünden in allen Gesundheitseinrichtungen der Region bereit.
Tayeb Hamdi, Gesundheitsforscher und Vizepräsident des marokkanischen Gesundheitsverbands (Fédération Nationale de la Santé), betonte gegenüber Medien die Bedeutung der Grundimmunisierung: Die Aufrechterhaltung einer hohen Impfquote sowie die konsequente Einhaltung von Isolationsmaßnahmen blieben der beste Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Krankheit.
Landesweite Auswirkungen auf den regulären Impfkalender sind bislang nicht bekannt. Die Gesundheitsbehörden betonten jedoch, den Ausbruch engmaschig zu beobachten und bei neuen Entwicklungen weitere Maßnahmen zu ergreifen.
Quellen: Hespress English, Le360, TelQuel


