El Mansouri im Königspalast erwartet: Wird Marokko von einer Frau regiert?

Fatima Zahra El Mansouri, PAM-Koordinatorin und Bürgermeisterin von Marrakesch
Foto: Houssam Atlas, Lizenz CC0, Quelle: Wikimedia Commons

Fünf Tage nach dem Wahlsieg der PAM bei den marokkanischen Parlamentswahlen könnte die Frage nach der künftigen Regierungsspitze am Montag eine entscheidende Wendung nehmen: Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer marokkanischer Medien, darunter H24Info und Le1, wird die PAM-Koordinatorin Fatima Zahra El Mansouri im Königspalast erwartet. Sollte König Mohammed VI. sie im Anschluss mit der Regierungsbildung beauftragen, wäre sie die erste Frau an der Spitze einer marokkanischen Regierung.

Nach Artikel 47 der Verfassung ernennt der König den Regierungschef aus den Reihen der bei den Wahlen stärksten Partei. Die PAM war am 23. September mit 97 der 395 Sitze klar stärkste Kraft geworden, verfehlte aber die absolute Mehrheit von 198 Sitzen deutlich – eine Koalition ist damit unumgänglich.

Ouahbi dementiert, Benali sorgt für Spekulationen

Bereits im Vorfeld hatte Justizminister Abdellatif Ouahbi Berichten widersprochen, wonach er neben dem parteiinternen Konkurrenten Fouzi Lekjaa als aussichtsreicher Kandidat für das Regierungsamt gehandelt werde. Zusätzliche Spekulationen entzündeten sich an Energieministerin Leila Benali, nachdem ein Social-Media-Beitrag von ihr in den vergangenen Tagen online für Interpretationen gesorgt hatte. Offizielle Bestätigungen aus dem Königspalast oder der PAM-Führung zu einer konkreten Personalentscheidung liegen bislang nicht vor.

Machtfrage spaltet die PAM

Innerhalb der PAM sind die Meinungen darüber geteilt, wer die Partei an die Regierungsspitze führen soll. Fouzi Lekjaa, Delegierter Minister für Haushalt und Präsident des marokkanischen Fußballverbands, gilt vielen als „Star“ der Wahlkampagne und bringt mit Blick auf die Organisation der Fußball-WM 2030 wirtschaftspolitisches Profil mit. Andere in der Partei sehen in El Mansouri, Bürgermeisterin von Marrakesch und Koordinatorin der kollektiven PAM-Führung, die historische Chance auf die erste Regierungschefin des Landes. El Mansouri selbst hatte bereits am Tag nach der Wahl erklärt, eine Berufung durch den König wäre für sie „eine große Ehre“, zugleich aber betont, es gebe innerhalb der Partei keine Konkurrenz zu Lekjaa.

Für die Regierungsbildung selbst gilt laut Beobachtern die Fortsetzung des bisherigen Dreierbündnisses aus PAM, RNI und Istiqlal als wahrscheinlichstes Szenario, auch wenn die Bedingungen dafür noch ausgehandelt werden müssen. Die islamistische PJD, die ihre Sitzzahl von 13 auf 54 mehr als vervierfachen konnte, hat bereits angekündigt, in die Opposition zu gehen statt sich an einer Koalition zu beteiligen.

Bis zur offiziellen Bekanntgabe einer Entscheidung aus dem Königspalast bleibt die Personalie damit offen. Für die deutsche Marokko-Community ist der Ausgang von Bedeutung: Er entscheidet nicht nur über das Gesicht der neuen Regierung, sondern auch über das Tempo, mit dem Marokko die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Weichen der kommenden Legislaturperiode stellt.

Quellen: H24Info, Le360, Atalayar

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