
Fast zwei Jahrzehnte nach dem letzten Besuch eines spanischen Monarchen kündigt sich ein diplomatisch heikler Termin an: Ministerpräsident Pedro Sánchez bestätigte am Donnerstag im Kongress, König Felipe VI. werde „in den kommenden Wochen“ erstmals in seiner Amtszeit Ceuta und Melilla besuchen. Der Schritt soll nach den schweren Migrationsunruhen Ende Juli das „uneingeschränkte Engagement“ Spaniens für die beiden nordafrikanischen Exklaven demonstrieren – und dürfte in Rabat auf Widerstand stoßen.
Erster Königsbesuch seit 2007
Der letzte Besuch eines spanischen Staatsoberhaupts liegt fast 20 Jahre zurück: Im November 2007 reisten König Juan Carlos I. und Königin Sofía nach Ceuta und Melilla und lösten damit heftige Proteste in Marokko aus. Felipe VI., seit Juni 2014 auf dem Thron, war noch nie in einer der beiden Städte – auch nicht als Kronprinz. Seinen Wunsch, dies zu ändern, hatte er bereits am 6. August bei einem Treffen mit Ceutas Regierungspräsident Juan Jesús Vivas im Palacio de Marivent geäußert. Regierungssprecherin Elma Saiz erklärte dazu: „Wir haben ihn nicht blockiert – im Gegenteil, wir sind der Ansicht, dass die Zeit für diesen Besuch gekommen ist.“ Außenminister José Manuel Albares betonte zugleich, Marokkos Kooperation bei der Migrationskontrolle sei „von Anfang an“ und „sehr positiv“ gewesen. Einen konkreten Termin nannte Sánchez bislang nicht; dieser solle zwischen Regierung und Königshaus noch abgestimmt werden.
Sánchez sorgt mit Aussage zur Amtszeit für Wirbel
Für Aufsehen sorgte eine Nebenbemerkung des Regierungschefs: In einem Interview kurz vor der Kongressdebatte hatte Sánchez erklärt, der König „regiere seit mehr als 20 Jahren“ und gefragt, wie oft dieser bislang in Ceuta und Melilla gewesen sei – obwohl Felipe VI. erst seit gut zwölf Jahren im Amt ist. Die Aussage sorgte in spanischen sozialen Netzwerken für Spott und Kritik an Sánchez.
Marokko erinnert an die Krise von 2007
In Marokko wird der geplante Besuch mit Sorge verfolgt. Yahya Yahya, Vorsitzender des marokkanischen Komitees zur „Befreiung“ von Ceuta, Melilla und der vorgelagerten Inseln, warnte, die Reise könne „eine stärkere Reaktion auslösen als der vergleichbare Besuch von Juan Carlos I. und Königin Sofía im Jahr 2007“. Für Marokko sei die Frage der beiden Städte ein „existenzielles“ Thema; sein Komitee werde während des Besuchs vor Ort präsent sein, um Marokkos Anspruch zu bekräftigen. Marokko betrachtet Ceuta und Melilla traditionell als besetzte Städte und verweist auf deren Lage auf marokkanischem Festland. Eine offizielle Stellungnahme der marokkanischen Regierung zu den jüngsten Ankündigungen aus Madrid liegt bislang nicht vor. Der Termin fällt in eine Phase, in der beide Länder ihre Zusammenarbeit bei Migration und Sicherheit gerade erst vertieft hatten – der Königsbesuch dürfte diese Annäherung nun auf die Probe stellen.
Quellen: Morocco World News, Hespress English, El Correo Gallego

