Getreide-Drehscheibe Marokko: Kasachstan baut Vertriebsnetz für Afrika über marokkanischen Hafen aus

Containerhafen mit Kränen und Frachtschiffen in Casablanca (Symbolbild)
Foto: Niels Johannes, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko positioniert sich zunehmend als logistische Drehscheibe für kasachisches Getreide auf dem Weg nach West- und Nordafrika. In einem aktuellen Interview mit der kasachischen Nachrichtenagentur Astana Times legte Marokkos Botschafter in Kasachstan, Mohammed Rashid Maaninou, die Details der bilateralen Kooperation offen: Neben wachsenden Weizenimporten geht es um eine gemeinsame Lagerinfrastruktur in einem marokkanischen Hafen sowie um Gespräche über eine mögliche Direktflugverbindung zwischen Casablanca und Almaty.

Ein Hafen als Verteilzentrum für Afrika

Vor zwei Jahren unterzeichneten Marokko und Kasachstan ein Abkommen zum Bau einer größeren Getreidelagerstätte in einem marokkanischen Hafen. Botschafter Maaninou erläuterte gegenüber Astana Times, das Konstrukt erlaube es Kasachstan, „Getreide in größeren Mengen nach Marokko zu bringen, es dort zu lagern und das Land als Verteilpunkt für die afrikanischen Märkte zu nutzen“. Damit soll Marokkos Hafeninfrastruktur zum Sprungbrett werden, über das kasachischer Weizen weiter nach West- und Nordafrika verteilt wird, ohne dass jede Lieferung einzeln von Zentralasien aus verschifft werden muss. Auch Asylkhan Dzhuvashev, Vorstandschef des staatlichen kasachischen Getreidekonzerns Prodcorporation, hatte Marokko bei einem Treffen im Juli 2026 in Casablanca als „strategische Logistik- und Handelsplattform“ bezeichnet, über die sein Land seine Präsenz in Nord- und Westafrika ausbauen wolle.

Erste Lieferungen und rasant wachsender Handel

Marokko importierte nach Angaben des Botschafters erstmals im vergangenen Jahr kasachischen Weizen, zunächst in zwei Schiffsladungen von jeweils rund 30.000 Tonnen. Ausschlaggebend war laut Maaninou der Preisvorteil: Weizen aus den USA, Kanada und Brasilien sei teurer als das kasachische Getreide, während die Ukraine als traditioneller Lieferant für Marokko praktisch ausfällt. Die Zahlen unterstreichen den Trend: Der bilaterale Getreidehandel zwischen beiden Ländern wuchs 2025 nach kasachischen Angaben um 68 Prozent, in den ersten vier Monaten 2026 folgte ein weiteres Plus von 58 Prozent. Marokko gilt inzwischen als größter afrikanischer Handelspartner Kasachstans, wobei sich das bilaterale Handelsvolumen binnen eines Jahres nahezu verdreifacht hat. Ergänzt wird die Kooperation durch eine kürzlich gegründete Kasachstan-Marokko-Wirtschaftskammer sowie gegenseitige Unternehmerdelegationen: Rund 30 kasachische Geschäftsleute reisten zuletzt nach Marokko, eine marokkanische Gegendelegation soll noch in diesem Jahr nach Astana reisen.

Nächstes Ziel: Direktflüge zwischen Casablanca und Almaty

Über den Getreidehandel hinaus verhandeln beide Länder derzeit mit Fluggesellschaften über eine mögliche Direktverbindung zwischen Casablanca und Almaty. „Wenn es Direktflüge gibt, wird alles einfacher“, sagte Botschafter Maaninou. Zunächst sei denkbar, eine Route mit technischem Zwischenstopp einzurichten, bevor bei Verfügbarkeit geeigneter Flugzeuge eine vollständig direkte Verbindung folgen könnte. Eine solche Flugroute würde nicht nur den Handel erleichtern, sondern auch Geschäftsreisen und den touristischen Austausch zwischen den beiden Ländern beschleunigen, die ihre wirtschaftlichen Beziehungen seit einigen Jahren gezielt vertiefen.

Quellen: The Astana Times, Ecofin Agency, Caspian Post

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