Historischer Schritt: König ernennt Fatima Ezzahra El Mansouri zur ersten Regierungschefin Marokkos

Parlamentsgebäude in Rabat mit marokkanischen Flaggen vor dem Eingangstor
Foto: Taha ahh, Lizenz CC0 1.0, Quelle: Wikimedia Commons

König Mohammed VI. hat Fatima Ezzahra El Mansouri am Dienstag zur Regierungschefin ernannt. Die 50-jährige Vorsitzende der Partei für Authentizität und Modernität (PAM) ist damit die erste Frau an der Spitze einer marokkanischen Regierung – vier Tage nach der Parlamentswahl, aus der ihre Partei als stärkste Kraft hervorgegangen war.

„Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes übernimmt eine Frau die Verantwortung, die Regierung zu führen“, sagte El Mansouri nach der Ernennung. Es sei ein „wahrhaft historischer“ Moment, „ein Grund zum Stolz nicht nur für mich, sondern für alle marokkanischen Frauen“. Nach Tunesiens Najla Bouden (2021 bis 2023) ist sie erst die zweite Frau an der Spitze einer Regierung in der arabischen Welt.

Vom Rathaus von Marrakesch ins Regierungsamt

El Mansouri wurde 1976 in Marrakesch geboren und studierte Rechtswissenschaften in Frankreich und den USA. 2009 wurde sie Bürgermeisterin von Marrakesch – als erste Frau in diesem Amt. Seit Oktober 2021 war sie Ministerin für Raumordnung und leitete in dieser Funktion unter anderem Wohnungsbauprogramme und die Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben.

Koalition noch offen

Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: Die PAM gewann bei der Wahl 97 der 395 Parlamentssitze und liegt damit deutlich unter der Mehrheit von 198 Mandaten. Die Nationale Sammlungsbewegung (RNI) des bisherigen Premierministers kam auf 66 Sitze. El Mansouri erklärte, ihre Partei sei „offen für Gespräche mit allen Parteien“, um eine Koalition zu bilden. Sie versprach, den Menschen „Hoffnung“ zu geben und Bildung und Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Wie schwierig die Bündnissuche werden kann, zeigt die Lage beim bisherigen Koalitionspartner: An der RNI-Basis gibt es Widerstand gegen eine Neuauflage der Zusammenarbeit mit der PAM, der Nationalrat der Partei soll entscheiden.

„WM-Regierung“ unter Druck

Die neue Regierung wird in Medienberichten bereits als „WM-Regierung“ bezeichnet: Sie soll Marokkos Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 gemeinsam mit Spanien und Portugal verantworten, ein Investitionsvolumen von rund 20 Milliarden Dollar. Zugleich muss sie sich der Jugendarbeitslosigkeit und dem Unmut widmen, der zuletzt bei Protesten und Vorfällen an der Grenze sichtbar wurde.

Trotz des historischen Schritts bleiben die Spielräume begrenzt: Über Außenpolitik und Verteidigung entscheidet in Marokko weiterhin maßgeblich der König.

Quellen: Al Jazeera, The National, France 24

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