
Die Arbeitslosenquote in Marokko ist im zweiten Quartal 2026 spürbar gesunken. Nach der jüngsten Erhebung zur Erwerbsbevölkerung („Enquête sur la main-d’œuvre“) des Hohen Kommissariats für Planung (HCP) fiel sie im Vergleich zum ersten Quartal um 1,3 Punkte auf 9,5 Prozent. Landesweit wurden im Berichtszeitraum rund 279.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.
Trotz der positiven Gesamtentwicklung bleibt die Lage für bestimmte Bevölkerungsgruppen angespannt. Bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren liegt die Arbeitslosenquote laut HCP weiterhin bei 27,2 Prozent – mehr als jeder vierte junge Marokkaner in dieser Altersgruppe ist demnach ohne Beschäftigung. Bei Frauen liegt die Quote mit 14,8 Prozent ebenfalls deutlich über dem landesweiten Durchschnitt.
Ein noch umfassenderes Bild liefert die vom HCP ebenfalls erhobene globale Unterauslastungsrate der Erwerbsbevölkerung, die neben der offiziellen Arbeitslosigkeit auch unfreiwillige Teilzeitarbeit und die sogenannte „entmutigte“ Erwerbsbevölkerung erfasst, die aktiv keine Stelle mehr sucht. Diese Rate liegt mit 18,9 Prozent fast doppelt so hoch wie die klassische Arbeitslosenquote – ein Hinweis darauf, dass der tatsächliche Bedarf an stabiler Beschäftigung deutlich größer ist, als die Kopfzahl der offiziell Arbeitslosen vermuten lässt.
Die marokkanische Regierung verweist im Zusammenhang mit dem Rückgang der Arbeitslosigkeit regelmäßig auf ihre Investitionsprogramme in Industrie, Tourismus und Infrastruktur, die in den vergangenen Jahren zunehmend Arbeitsplätze geschaffen hätten. Arbeitsmarktexperten mahnen jedoch, dass die strukturell hohe Jugend- und Frauenarbeitslosigkeit weiterhin gezielte Maßnahmen erfordere, etwa in der beruflichen Ausbildung und bei der Förderung des Zugangs von Frauen zum Arbeitsmarkt.
Quelle: L’Information


