
Marokko treibt den Ausbau von Künstlicher Intelligenz (KI) als Wirtschaftsfaktor voran: Nach Angaben der Regierung soll KI bis zum Jahr 2030 rund 100 Milliarden Dirham, umgerechnet etwa 10 Milliarden US-Dollar, zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beitragen. Im Rahmen des laufenden Digitalisierungsplans für die Jahre 2024 bis 2026 hat die Regierung dafür bereits rund 11 Milliarden Dirham (umgerechnet etwa 1,2 Milliarden US-Dollar) bereitgestellt, unter anderem für den Ausbau von Glasfasernetzen und KI-Initiativen.
Zentraler Baustein der Strategie ist das Anfang 2026 gestartete Forschungszentrum Jazari Root in Rabat, das sich der KI-Forschung, Innovation und der ethischen Entwicklung der Technologie widmen soll und Teil eines landesweiten Netzwerks von Exzellenzzentren ist. Ergänzt wird dies durch die Initiative „KI Made in Morocco“, die den Aufbau eines nationalen Innovationsökosystems sowie lokal entwickelter technologischer Lösungen fördern soll, etwa in den Bereichen Industrie und Gesundheitstechnologie.
International hat Marokko zudem eine Kooperation mit dem französischen KI-Anbieter Mistral AI im Bereich generativer Sprachmodelle vereinbart und prüft nach Regierungsangaben weitere Partnerschaften mit internationalen Technologiekonzernen. Bei der vierten Ausgabe der Digitalmesse GITEX Africa Morocco im April 2026 mit mehr als 1.450 teilnehmenden Unternehmen und Start-ups aus über 130 Ländern stellte die Regierung die digitale Souveränität und den Ausbau eigener Rechenkapazitäten als strategische Prioritäten heraus, unter anderem durch großangelegte, mit erneuerbaren Energien betriebene Rechenzentren.
Die Bemühungen zahlen sich einer aktuellen Analyse zufolge bereits aus: Marokko zählt inzwischen zu den 25 weltweit am besten auf KI-gestütztes Offshoring vorbereiteten Standorten und belegt dabei den fünften Platz in Afrika sowie den zweiten Platz in der MENA-Region. Parallel unterstützt die Regierung mit Programmen wie Accel’Impact auch kleine und mittlere Unternehmen dabei, von der digitalen Transformation zu profitieren.
Update vom 10. September 2026: Die Strategie ist inzwischen in eine konkrete Umsetzungsphase eingetreten.
Umsetzungsphase gestartet: Marketplace, Idarati AI und Jazari-Institute
Am 9. September 2026 stellte die marokkanische Ministerin für digitalen Wandel und Verwaltungsreform, Amal El Fallah Seghrouchni, in Rabat den Übergang der nationalen KI-Strategie „Maroc IA 2030“ von der Ankündigungs- in die Umsetzungsphase vor. „Dieser Schritt markiert den Eintritt in eine neue Phase: die der Umsetzung“, erklärte die Ministerin und betonte, Marokko habe sich entschieden, „voll und ganz Akteur der KI-Revolution“ zu sein. Ziel sei eine KI, die leistungsfähig, verantwortungsvoll in der Nutzung und inklusiv in ihrem Nutzen sei.
Konkret wurde ein Netzwerk aus vier „Jazari“-Instituten vorgestellt, das über das bereits bestehende Forschungszentrum Jazari Root hinausgeht: Jazari Root, Jazari Smart City, Jazari EduTech und Jazari Industrie X.0 sollen KI-Forschung und -Anwendung in Stadtentwicklung, Bildung und Industrie bündeln. Hinzu kommen ein staatlich kontrollierter „souveräner KI-Marktplatz“ für sichere und vertrauenswürdige KI-Lösungen sowie „Idarati AI“, ein KI-gestützter Assistent, der Bürgerinnen und Bürger durch Verwaltungsverfahren führen soll. Präsentiert wurde zudem ein Konzeptnachweis für eine nationale Meta-Anwendung samt digitaler Geldbörse (E-Wallet) zur Bündelung öffentlicher Dienstleistungen. Begleitend veröffentlichte das Ministerium ein „Rosa Buch“ mit dem Titel „Auf dem Weg zur digitalen Souveränität – 70 Jahre danach, 1956–2026“, das den angestrebten Wandel vom Technologie-Importeur zum eigenständigen Akteur dokumentiert.
Neue Ziele: 50.000 Jobs und 200.000 ausgebildete KI-Talente
Neben dem bereits bekannten Ziel von 100 Milliarden Dirham Wertschöpfung bis 2030 nannte die Ministerin erstmals konkrete Beschäftigungs- und Ausbildungsziele: 50.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze sollen durch die KI-Strategie entstehen, zudem sollen 200.000 KI-Fachkräfte ausgebildet und zertifiziert werden – mit einer Heranführung an das Thema bereits im Kindesalter. Die Maßnahmen stützen sich nach Regierungsangaben auf königliche Direktiven, die Investitionen in Künstliche Intelligenz, Technologie und erneuerbare Energien als zentrale Treiber für Entwicklung und Nachhaltigkeit hervorheben.
Quellen: Hespress FR, TelQuel, Hespress English


