
Das Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris hat Marokko zum Schwerpunktland seiner Kultursaison 2026/2027 gemacht. IMA-Präsidentin Anne-Claire Legendre stellte das Programm am Montagabend in Paris vor und bezeichnete das Königreich als „eine wahre Kulturmacht“, die sowohl über ihr historisches Erbe als auch über ihre zeitgenössische Kreativszene reiche kulturelle Substanz mitbringe. Die neue Saison steht unter dem Leitthema Jugend und gliedert sich in drei Schwerpunkte: „Erbe und Zirkulation“, „neue Bühnen“ sowie „Wissensproduktion“ – mit der arabischen Sprache als verbindendem Element.
Von Hochzeitsbräuchen bis zur Alhambra
Den Auftakt macht ab dem 28. September 2026 die Ausstellung „Vive la Mariée!“, die bis Ende Februar 2027 läuft und sich Hochzeitstraditionen in der arabischen Welt widmet – mit besonderem Augenmerk auf marokkanische Bräute, Textilien, Schmuck und zeremonielle Objekte, ergänzt um zeitgenössische künstlerische Positionen. Ab dem 24. November 2026 folgt die große Schau „Les Secrets de l’Alhambra“, die bis Mai 2027 zu sehen sein wird und sich der andalusisch-maurischen Palastästhetik widmet: Kalligrafie, geometrische Ornamentik und die Wasserarchitektur der Alhambra, deren Formensprache bis heute in der marokkanischen Kunst und Architektur nachwirkt. Daneben sind Literaturfestivals, Konzerte und Begegnungsformate geplant, die gezielt jungen marokkanischen Künstlerinnen, Autoren und Intellektuellen eine Bühne in Paris geben sollen.
Kooperation mit Rabat und wandernde Ausstellungen
Institutionell setzt das IMA auf eine enge Partnerschaft mit Marokko: Gemeinsam mit der Académie du Royaume du Maroc sowie dem marokkanischen Ministerium für Jugend, Kultur und Kommunikation sind die diesjährigen „Journées d’histoire“ den arabischen Wissenschaften und der Philosophie gewidmet. Umgekehrt reist das Format „IMA nomade“ nach Marokko: Fotosammlungen des Instituts sollen im künftigen Foto- und Kunstmuseum in Casablanca gezeigt werden, zudem unterstützt das IMA den Aufbau eines neuen Museums zur jüdischen Kultur in Fès. Damit reiht sich die Kultursaison in eine Reihe wachsender kultureller Kooperationsprojekte zwischen Paris und Rabat ein, die über den traditionellen Austausch von Wanderausstellungen hinausgehen und stärker auf gemeinsame institutionelle Partnerschaften setzen.
Für Marokko ist die Rolle als Schwerpunktland eines der wichtigsten kulturellen Schaufenster Europas ein Prestigegewinn, der über den engeren Kulturbetrieb hinausstrahlt: Das IMA gilt seit seiner Gründung 1987 als zentrale Vermittlungsinstanz zwischen Frankreich und der arabischen Welt und zieht jährlich hunderttausende Besucherinnen und Besucher an. Die enge Einbindung marokkanischer Institutionen in Konzeption und Umsetzung der Saison unterstreicht zugleich den Anspruch Rabats, kulturelle Diplomatie zunehmend als eigenständiges außenpolitisches Instrument zu nutzen.
Quellen: Yabiladi, La Nouvelle Tribune, Hespress Français


