
Marokko gehört laut einem neuen Bericht der Mo Ibrahim Foundation und des Forschungsnetzwerks Afrobarometer zu nur sieben afrikanischen Ländern, in denen die Nachfrage nach Demokratie in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist – während sie auf dem Kontinent insgesamt spürbar zurückging.

Marokko gegen den kontinentalen Trend
Der Bericht misst die sogenannte „volle Demokratieforderung“ – definiert als Unterstützung eines demokratischen Systems bei gleichzeitiger Ablehnung von Präsidialdiktatur, Einparteienherrschaft und Militärregierung. In Marokko stieg dieser Anteil zwischen den Erhebungszeiträumen 2014/2015 und 2024/2025 um 5 Prozentpunkte. Neben Marokko verzeichneten nur Uganda (+13 Punkte, der größte Anstieg), Liberia (+11), Tansania (+10), Mosambik (+9), Sambia (+6) und Madagaskar eine Zunahme.
Deutlicher Rückgang auf dem restlichen Kontinent
In den insgesamt 28 für den Zehnjahresvergleich untersuchten Ländern sank der Anteil der Befragten mit voller Demokratieforderung dagegen von 47 auf 37 Prozent. Auch die grundsätzliche Zustimmung zur Demokratie schwächte sich ab: 64 Prozent der Befragten bezeichneten Demokratie 2024/2025 als die einer anderen Regierungsform vorzuziehende Option, verglichen mit 69 Prozent zehn Jahre zuvor. Am stärksten verschob sich die Haltung zu Militärregierungen – deren Ablehnung fiel von 76 auf 65 Prozent. Am deutlichsten sank die volle Demokratieforderung in Gabun (-37 Punkte) und Mali (-35), gefolgt von Mauritius und der Elfenbeinküste (je -26), Togo (-23), Südafrika (-21) und Namibia (-20).
Armut und Zweifel an Wahlen als Treiber
Der Bericht bringt den kontinentweiten Rückgang mit wirtschaftlichem, sozialem und politischem Druck in Verbindung. Der Anteil der Menschen in Afrika, die in moderater oder schwerer Armut leben, stieg demnach von 47 auf 59 Prozent und machte damit Fortschritte früherer Jahre zunichte. Auch die Sorge um faire Wahlen nahm zu: Der Anteil der Befragten, die ihre jüngste nationale Wahl als nicht frei und fair oder mit ernsten Problemen behaftet einschätzten, stieg von 25 auf 35 Prozent. Die Wahrnehmung von Korruption unter hochrangigen Regierungsvertretern verschlechterte sich ebenfalls: Der Anteil derer, die die meisten oder alle Amtsträger in der Präsidentschaft für korrupt halten, wuchs von 32 auf 40 Prozent, fiel in der jüngsten Erhebung aber wieder auf 35 Prozent.
Keine grundsätzliche Abkehr von der Demokratie
Die Mo Ibrahim Foundation warnt davor, den schrittweisen Rückgang der demokratischen Grundhaltung als offene Ablehnung der Demokratie zu deuten. Die Ergebnisse verwiesen vielmehr auf wachsende Unzufriedenheit damit, wie demokratische Systeme in vielen afrikanischen Ländern tatsächlich funktionieren, während die grundsätzliche Unterstützung für demokratische Regierungsformen weit verbreitet bleibe. Die Erhebung fällt in Marokko in eine Phase, in der sich das Land bereits im Wahlkampf für die anstehenden Parlamentswahlen befindet.
Quelle: Hespress English


