
Rund zwei Monate nach dem Viertelfinal-Aus der Atlas-Löwen bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika leitet Nationaltrainer Mohamed Ouahbi einen spürbaren Umbruch ein. Für die ersten beiden Pflichtspiele nach dem Turnier – die Qualifikationsspiele zum Afrika-Cup 2027 gegen Gabun (25. September) und Lesotho (29. September) – bahnt sich laut übereinstimmenden marokkanischen Medienberichten eine deutlich veränderte Kaderliste an. Die offizielle Nominierung will Ouahbi am 17. September bekanntgeben.
Sechs WM-Fahrer fehlen, vier neue Gesichter rücken nach
Mindestens sechs Spieler, die noch beim Sommer-Turnier dabei waren, dürften der kommenden Liste fehlen – allerdings größtenteils aus nachvollziehbaren Gründen. Chadi Riad (Crystal Palace) und Youssef Belammari (Al Ahly) fallen nach Kreuzbandrissen aus, Stürmer Ayoub El Kaabi laboriert nach seinem Schienbeinbruch bei Olympiakos noch an den Folgen. Hinzu kommen Fitnessprobleme bei Marwan Saadane (Al-Fateh), Anass Salah-Eddine (AS Rom) und Redouane Halhal (Venezia). Ouahbi selbst hatte bereits im August angekündigt, nach dem Achtelfinal-Aus gegen Frankreich „frisches Blut“ und „vielseitigere, effektivere Optionen“ für sein Team zu suchen.
Als mögliche Neuzugänge werden in mehreren Berichten vier Namen gehandelt: Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt, der sich mit einem Hattrick vor den Augen Ouahbis Ende August empfahl, der spanische Ligue-Aufsteiger-Legionär Yassir Zabiri von Racing Santander, U20-Weltmeisterschafts-MVP Othmane Maamma vom FC Watford sowie Linksverteidiger Omar El Hilali von Espanyol Barcelona, der nach elf Monaten Verletzungspause zurückkehren würde.
Ouahbi sucht „Prestige-Testspiel“ – doch Europas Verbände sind blockiert
Nach dem Erfolg bei der WM, wo Marokko im Achtelfinale die Niederlande im Elfmeterschießen bezwang und erst im Viertelfinale an Frankreich (0:2) scheiterte, will Ouahbi den Anspruch seiner Mannschaft hochhalten. „Ich habe für September ein Prestige-Testspiel gefordert, um weiter gefordert zu werden“, sagte der Trainer. Das Vorhaben gestaltet sich allerdings schwierig: Europäische Nationalmannschaften sind im September-Fenster durch die UEFA Nations League gebunden, sodass sich Marokko nach Gegnern aus Afrika, Südamerika, Asien oder der CONCACAF-Zone umsehen muss. Ob ein solches Testspiel zusätzlich zu den Pflichtspielen gegen Gabun und Lesotho zustande kommt, ist derzeit noch offen.
Für den Verband bleibt Ouahbi trotz des Trainerwechsels kurz vor der WM im März – als er den zurückgetretenen Walid Regragui ersetzte – im Amt und genießt weiterhin das Vertrauen der Föderation. Mit dem angekündigten Umbruch und der Qualifikation für den Afrika-Cup 2027 beginnt für die Atlas-Löwen nun offiziell die nächste sportliche Etappe nach dem größten WM-Erfolg der marokkanischen Fußballgeschichte.
Update, 15. September: Amrabat verweigert sich Ouahbi, auch Hakimi-Einsatz fraglich
Seit der Veröffentlichung dieses Artikels haben sich zwei weitere Personalfragen rund um die Kadernominierung zugespitzt. Mittelfeldspieler Sofyan Amrabat hat öffentlich erklärt, für die Nationalmannschaft vorerst nicht mehr zur Verfügung zu stehen, solange Mohamed Ouahbi Trainer bleibt: „Ich fühle mich nicht in der Lage, die Nationalmannschaft unter dem aktuellen Trainer weiter zu vertreten, und werde mich daher nicht für eine Nominierung zur Verfügung stellen, solange er im Amt bleibt“, ließ Amrabat mitteilen. Zugleich betonte er, die Auszeit sei nicht als Rücktritt zu verstehen und das Nationaltrikot bleibe „die größte Ehre“ seiner Karriere. Hintergrund ist offenbar Unmut über seine geringe Einsatzzeit bei der WM 2026, wo er nach Medienberichten auf lediglich 145 Spielminuten kam und nur ein einziges Mal in der Startelf stand. Ouahbi selbst wies Spekulationen über einen Bruch im Team zurück.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt zudem Achraf Hakimi: Der Abwehrspieler von Paris Saint-Germain zog sich am vergangenen Sonntag beim 1:0-Sieg in Brest noch vor der Halbzeit eine Verletzung im rechten Adduktorenbereich zu und wartet auf die Ergebnisse weiterer medizinischer Untersuchungen. Ob er für die Duelle gegen Gabun und Lesotho zur Verfügung steht, dürfte sich erst kurz vor Ouahbis für den 17. September angekündigter Kadernominierung klären.
Update, 15. September (Nachmittag): PSG spricht von „leichter“ Verletzung
Paris Saint-Germain hat sich inzwischen offiziell zu Hakimis Blessur geäußert und Entwarnung mit Vorbehalt gegeben: Der Verein spricht von einer „leichten Verletzung im rechten Oberschenkel“ und kündigte an, nach einer zweitägigen Behandlungsphase eine erneute medizinische Untersuchung vorzunehmen, um den weiteren Ausfallzeitraum zu bestimmen. Für das Ligue-1-Spitzenspiel gegen Olympique Marseille am 20. September gilt Hakimis Einsatz trotz der Entwarnung als fraglich. Zur Verfügbarkeit für die Nationalmannschaft äußerte sich der Klub nicht – hier bleibt es bei der bereits gemeldeten Unsicherheit bis zur Kadernominierung Ouahbis am 17. September.
Quellen: Afrik-Foot, Afrik-Foot, Goal.com, Yabiladi English, Hespress English, Morocco World News


