Frauenquote und Rekord-Kandidatenzahl: Das ändert sich bei Marokkos Wahl 2026

Das Parlamentsgebäude in Rabat, Sitz des marokkanischen Abgeordnetenhauses (Symbolbild)
Foto: Fernando Pascullo, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Zwei Wochen vor der Parlamentswahl am 23. September stehen die Kandidatenlisten für die 395 Sitze im marokkanischen Abgeordnetenhaus fest – und sie zeigen einen deutlichen Anstieg weiblicher Kandidaturen. Möglich macht das eine Reform des Wahlrechts, die gezielt mehr Frauen den Weg ins Parlament ebnen soll. Zugleich meldet das Innenministerium eine Rekordzahl an Bewerbern insgesamt.

Reservierte Sitze und neue Vorgaben für Parteien

Kern der Reform sind die regionalen Wahlkreise, über die ein Teil der Sitze vergeben wird: Sie stehen künftig ausschließlich weiblichen Kandidatinnen offen, während frühere Regelungen beiden Geschlechtern Zugang erlaubten. Ergänzend hat der Gesetzgeber die Gründungsvoraussetzungen für politische Parteien verschärft, um Frauen strukturell stärker einzubinden: Unter den zwölf erforderlichen Gründungsmitgliedern müssen mindestens vier Frauen sein, und unter den insgesamt 2.000 Gründungsmitgliedern ist ein Frauenanteil von mindestens einem Fünftel – also rund 400 Personen – vorgeschrieben. Hinzu kommen finanzielle Anreize: Kandidatenlisten in den Regionalwahlkreisen, die ausschließlich aus Frauen unter 35 Jahren bestehen, erhalten zusätzliche staatliche Zuschüsse. Die Maßnahmen zielen darauf ab, den seit Jahren stagnierenden Frauenanteil im Parlament zu erhöhen, ohne den Parteien feste Erfolgsgarantien für einzelne Sitze zu geben.

Rekordzahl an Kandidaturen – mehr als jede dritte Person ist eine Frau

Nach Ablauf der Anmeldefrist am 9. September zählt das Innenministerium landesweit 1.850 Kandidatenlisten mit insgesamt 7.288 Bewerberinnen und Bewerbern – rein rechnerisch mehr als 18 Kandidaten pro Sitz. In den 1.615 lokalen Wahlkreisen treten 5.505 Personen an, ein Plus gegenüber den 5.046 Kandidaten bei der Wahl 2021. In den 235 ausschließlich für Frauen reservierten Regionalwahlkreisen bewerben sich 1.783 Kandidatinnen um jeweils bis zu 20 Sitze pro Liste. Insgesamt sind 2.658 Frauen registriert, das entspricht 36,47 Prozent aller Kandidaturen – 121 von ihnen führen sogar eine lokale Liste an, wo Frauen traditionell unterrepräsentiert sind. 28 Parteien sowie zwei unabhängige Listen mit fünf Kandidaten treten an. Von den 227 amtierenden Abgeordneten, die erneut kandidieren, sind 204 Männer und 20 Frauen sowie drei Regionalräte.

Kein Automatismus für mehr Einfluss

Ob die höhere Zahl weiblicher Kandidaturen tatsächlich zu mehr Frauen im künftigen Abgeordnetenhaus führt, hängt von den Wahlergebnissen am 23. September ab – reservierte Regionalsitze sichern zwar einen Frauenanteil, verändern aber nichts an der Verteilung der Direktmandate in den lokalen Wahlkreisen, wo Frauen weiterhin eine Minderheit unter den Listenführern stellen. Kritikerinnen aus der Zivilgesellschaft werten die Reform dennoch als Schritt in die richtige Richtung, mahnen aber an, dass echte Teilhabe erst mit Führungspositionen in Fraktionen und Ministerien beginne.

Quellen: Morocco World News, Morocco World News, Atalayar

Nach oben scrollen