
Nach dem Ende der UN-Mission MINURSO in der Westsahara rückt Marokkos südlicher Nachbar in den Fokus: Mauretanien hat Bürger in Grenznähe zur Vorsicht aufgerufen und zugleich die militärische Zusammenarbeit mit Rabat fortgesetzt. Die Regierung in Nouakchott betont dabei ihre Neutralität.
Warnung an Hirten, Nomaden und Goldsucher
Wie die mauretanische Nachrichtenseite Alakhbar berichtet, forderten Behörden Einwohner in Grenzregionen auf, sich innerhalb des eigenen Staatsgebiets aufzuhalten und Abstand zur Grenzlinie sowie zu Gebieten mit unklarer Grenzziehung zu halten. Sprachnachrichten, die den Gouverneuren der Grenzbezirke Chami und Tmeimichatt zugeschrieben werden, mahnten zu erhöhter Wachsamkeit. In der Region Dakhlet Nouadhibou wurden Viehhirten und nomadische Gemeinschaften gewarnt, sich nicht in sensiblen Grenzzonen aufzuhalten.
Die spanische Agentur EFE berichtet zudem von Sicherheitsbedenken bei mauretanischen Fischern und Goldsuchern nahe der Sahara. Der Chef der Gewerkschaft der Goldsucher, Mohamed Mahmoud Ould El Hacen, sagte laut EFE, Polisario-Kämpfer nutzten angeblich Fahrzeuge, die denen von Goldsuchern ähneln, mit mauretanischen Kennzeichen. Unabhängig bestätigt ist das nicht.
„Völlig positive Neutralität“
Regierungssprecher Mohamed Ould Bebana bekräftigte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch die Haltung seines Landes: „völlig positive Neutralität“. Mauretanien sehe sich als „Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems“. Nouakchott hatte zuvor am 21. Oktober erklärt, keine Gebietsansprüche auf die marokkanische Stadt Lagouira zu erheben. Die Grenzziehung hatte das Land laut dem Oktober-Bericht von UN-Generalsekretär António Guterres bei den UN-Gesprächen in Madrid angesprochen.
Militärische Kontakte laufen weiter
Parallel dazu besuchte vom 2. bis 6. November eine mauretanische Militärdelegation Marokko. Angeführt von Oberst Sidi Mohamed Ould Hammadi, Kommandeur der Nationalen Führungs- und Generalstabsakademie, wurde sie an der Königlichen Akademie für höhere Militärstudien in Kenitra von Brigadegeneral Lahcen Hajjami empfangen. Gesprochen wurde über die Beziehungen beider Akademien und Kooperationsperspektiven. Bereits im Oktober hatte eine marokkanische Delegation die Militärische Flugschule in Atar besucht, im September waren Vertreter der Königlich Marokkanischen Streitkräfte in Nouakchott. Die gemeinsame Militärkommission hatte im April in Nouakchott getagt.
Hintergrund: MINURSO in Abwicklung
Der UN-Sicherheitsrat hatte am 30. Oktober das MINURSO-Mandat nicht verlängert: Ein US-Entwurf scheiterte am russischen Veto, der russische Vorschlag einer einjährigen Verlängerung verfehlte die nötigen neun Stimmen. UN-Sprecher Stéphane Dujarric bestätigte, dass die Abwicklung der seit 1991 bestehenden Mission am 1. November begann. Marokkos Königshaus begrüßte das Ende des Mandats als wichtigen Schritt zum Abschluss der Sahara-Akte bei den Vereinten Nationen. König Mohammed VI. leitete am 4. November ein Treffen zur Phase nach MINURSO und bekräftigte laut Bericht die territoriale Integrität, die nationale Sicherheit und den Schutz der Bewohner der südlichen Provinzen.
Quellen: Morocco World News (Grenzwarnung), Morocco World News (Militärdelegation)


