Öffentliches Interesse erklärt: Marokko ebnet Weg für Hochgeschwindigkeitsstrecke Marrakesch–Agadir

Al-Boraq-Hochgeschwindigkeitszug der ONCF am Bahnhof Tanger Ville
Foto: NicholasNCE, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos Plan für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Marrakesch und Agadir hat die nächste administrative Hürde genommen. Ein am 1. September 2026 verabschiedetes und am 7. September im Amtsblatt (Bulletin Officiel) veröffentlichtes Dekret erklärt die Bahnlinie offiziell zur Angelegenheit von öffentlichem Interesse (utilité publique). Damit ist der Weg frei für die Grundstücksverfahren, die für den Bau der Strecke nötig sind.

Zwei Linien auf einen Schlag

Das Dekret Nr. 2.26.605 betrifft nicht nur die Strecke Marrakesch–Agadir, sondern zugleich die geplante Verbindung zwischen Chichaoua und Essaouira. Beide Trassen verlaufen durch die Regionen Marrakesch-Safi und Souss-Massa, wie aus dem dem Dekret beigefügten Plan hervorgeht. Mit der Veröffentlichung können nun die gesetzlich vorgeschriebenen Enteignungs- und Nutzungsverfahren für die betroffenen Grundstücke eingeleitet werden.

Anspruchsvolle Trasse durch den Hohen Atlas

Transport- und Logistikminister Abdessamad Kayouh hatte bereits im Mai 2026 mitgeteilt, dass die Vor- und Ausführungsstudien für den Abschnitt Marrakesch–Agadir abgeschlossen seien. Er wies zugleich auf die technische Komplexität des Vorhabens hin: Rund 70 Prozent der Bauwerke auf dieser Achse würden aus Brücken und Tunneln bestehen, da die Strecke den Hohen Atlas queren muss. Geplant sind Bahnhöfe in Marrakesch, Chichaoua und Agadir. Die Investitionskosten für diesen Abschnitt werden auf etwa 55 Milliarden Dirham geschätzt; Ministerium und die staatliche Bahngesellschaft ONCF suchen derzeit nach internationalen Finanzierungspartnern. Einen offiziellen Fertigstellungstermin gibt es bislang nicht.

Teil eines größeren Netzausbaus

Die Verlängerung nach Süden ist die Fortsetzung der bereits im Bau befindlichen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kénitra und Marrakesch, die nach Angaben Kayouhs bis Mai 2026 einen Baufortschritt von rund 30 Prozent erreicht hatte und deren Inbetriebnahme für September 2029 vorgesehen ist. Marokko betreibt mit dem „Al Boraq“ zwischen Tanger und Casablanca bereits die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Afrikas. Der Ausbau in Richtung Marrakesch und Agadir soll die touristisch und wirtschaftlich bedeutenden Regionen im Süden des Landes direkt an das schnelle Schienennetz anbinden und ist Teil einer breiter angelegten Infrastrukturoffensive, mit der sich Marokko unter anderem auf die gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichtete Fußball-Weltmeisterschaft 2030 vorbereitet.

Quellen: Le Nouvelliste Maroc, InfoMaroc, Hespress English

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