
König Mohammed VI. hat sich in einer Botschaft an seinen jordanischen Amtskollegen Abdullah II. mit scharfen Worten gegen die jüngsten iranischen Angriffe auf jordanisches Territorium gewandt. Wie der marokkanische Königshof am Dienstag mitteilte, habe der Monarch die Nachrichten über iranische Raketenangriffe auf das haschemitische Königreich „mit tiefer Sorge und Empörung“ verfolgt.
„Verbrecherische und ungerechtfertigte Aggression“
In seiner Botschaft sprach König Mohammed VI. von einer „verbrecherischen und ungerechtfertigten Aggression“, die darauf abziele, die Stabilität Jordaniens zu untergraben und die Sicherheit seiner Bürger zu bedrohen. Er bekundete Jordanien seine „uneingeschränkte Solidarität“ und betonte, die Sicherheit des haschemitischen Königreichs sei „integraler Bestandteil“ der Sicherheit Marokkos. Mit dieser Formulierung unterstreicht Rabat die traditionell engen Beziehungen zwischen den beiden Königshäusern, die sich in der Vergangenheit wiederholt gegenseitig politisch abgesichert haben.
Eskalation im Schatten des Iran-Kriegs
Die vom marokkanischen Königshof verurteilten Angriffe reihen sich in eine seit Monaten anhaltende Konfliktdynamik ein: Im Zuge des seit Anfang 2026 laufenden Kriegs zwischen den USA, Israel und Iran gerät Jordanien als Standort mehrerer amerikanischer Militärstützpunkte immer wieder ins Visier iranischer Angriffe. Nach jordanischen Armeeangaben feuerte Iran allein in den vergangenen Tagen erneut Dutzende Raketen und Drohnen auf Ziele im Land ab, ein Großteil davon wurde von jordanischer und amerikanischer Luftabwehr abgefangen. Betroffen waren unter anderem Luftwaffenstützpunkte sowie der internationale Flughafen bei Akaba; nach Angaben der jordanischen Streitkräfte wurden bei früheren Angriffswellen auch US-Soldaten getötet und verletzt.
König Mohammed VI. reiht sich mit seiner Stellungnahme in eine Reihe arabischer und internationaler Solidaritätsbekundungen mit Amman ein, das sich seit Monaten in einer der prekärsten Sicherheitslagen seiner jüngeren Geschichte behauptet. Marokko selbst blieb von den direkten militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten bislang verschont, hatte jedoch bereits zuvor über steigende Energieimportkosten indirekte Folgen der regionalen Krise zu spüren bekommen.
Zeichen außenpolitischer Kontinuität
Die Botschaft an König Abdullah II. fügt sich in Marokkos außenpolitische Linie ein, die auf enge Bündnisse mit gemäßigten arabischen Monarchien setzt und sich in Krisenzeiten regelmäßig mit öffentlichen Solidaritätsbekundungen positioniert. Eine Reaktion aus Amman auf die marokkanische Botschaft lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Beobachter werten die Geste jedoch als weiteres Signal dafür, dass Rabat seine diplomatischen Beziehungen zu Jordanien angesichts der andauernden regionalen Spannungen aktiv pflegen will.
Quellen: Hespress FR, Al Jazeera


