
Vom 25. bis 30. September verwandelt sich Marrakesch zum sechsten Mal in einen Treffpunkt für den internationalen Kurzfilm: Das Marrakech Short Film Festival (MARRAKECHsFF) hat aus mehr als 400 eingereichten Filmen aus über 90 Ländern sein Programm zusammengestellt. Eröffnet wird die Ausgabe 2026 im Palais Badii, die Wettbewerbsvorführungen finden anschließend unter freiem Himmel im Cyber Parc Moulay Abdessalam statt, ehe die Preisverleihung im Atlantis Studios den Abschluss bildet.
Internationale und marokkanische Jury unter türkischer Leitung
Den Vorsitz der internationalen Jury übernimmt die türkische Schauspielerin und UNICEF-Botschafterin Tûba Büyüküstün, an ihrer Seite sitzen die britische Regisseurin Charlotte Regan, die Programmleiterin des Cannes Film Market, Alice Kharoubi, sowie die libanesische Autorin und Regisseurin Daniela Stephan. Über die nationale Konkurrenz entscheidet eine Jury unter Vorsitz des marokkanischen Schauspielers, Regisseurs und Drehbuchautors Rachid El Ouali, dem die Komikerin und Hochschuldozentin Jalila Talemsi sowie Hicham Brahimi zur Seite stehen. Vergeben werden in der marokkanischen Sektion drei Hauptpreise – der Belarj-, der Nakhil- und der Behja-Preis – für insgesamt 16 ausgewählte marokkanische Kurzfilme, ergänzt um vier Beiträge außer Konkurrenz. Als Ehrengast der diesjährigen Ausgabe tritt Malta auf.
Neue Förderplattform Amanar und Fokus auf Afrika
Erstmals startet in diesem Jahr die Plattform Amanar, ein gemeinsam mit dem Arab Fund for Arts and Culture (AFAC) und dem British Council entwickeltes Programm für Nachwuchsfilmschaffende. Es bietet Mentoring, Branchengespräche und sogenannte Pitch-Tage, bei denen marokkanische und internationale Filmemacher mit Vertretern von Festivals wie Clermont-Ferrand, El Gouna, Fespaco und dem französischen Filmförderzentrum CNC zusammengebracht werden. Parallel dazu läuft mit „Bridges of Reality“ ein von Alex Moussa Sawadogo kuratiertes afrikanisches Dokumentarfilmprogramm, das in Zusammenarbeit mit der spanischen Botschaft Erzählungen der afrikanischen Diaspora in den Mittelpunkt stellt. Der Zugang zu diesem Programm sowie zur Sektion für Low-Budget-Filme ist nach Verfügbarkeit kostenlos, reguläre Tickets kosten zwischen 50 Dirham für Studierende und 600 Dirham für ein VIP-Passe; Mindestalter für den Festivalbesuch sind zwölf Jahre.
Vom Straßenkino zur internationalen Bühne
Das 2020 gegründete Festival hat sich seither einen Namen als Plattform gemacht, die Kurzfilm bewusst niedrigschwellig und öffentlich zugänglich zeigt – mit kostenlosen Freiluftvorführungen mitten in der Stadt statt ausschließlich in geschlossenen Kinosälen. Wie ernst das Festival international genommen wird, zeigte zuletzt seine „Best Of“-Tournee mit preisgekrönten Kurzfilmen der vergangenen Ausgabe, die über Stationen in Palästina, Jordanien und Italien im Juni mit einer Vorführung im Pariser Kino Grand Action endete. Gezeigt wurden dort unter anderem „Milk Brothers“ der marokkanischen Regisseurin Kenza Tazi, ausgezeichnet als bester Film, sowie „Beneath a Mother’s Feet“ von Elias Suhail, Gewinner des Schauspielpreises. Mit dieser Mischung aus lokaler Verwurzelung und internationaler Vernetzung positioniert sich MARRAKECHsFF zunehmend als ernstzunehmende Station im nordafrikanischen Festivalkalender.
Quellen: Aujourd’hui le Maroc, La Tribune de Marrakech, Femmes du Maroc


