
Marokko hat seine Maisimporte aus Argentinien in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mehr als verdoppelt. Nach Daten des argentinischen Statistikamts INDEC stiegen die Lieferungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 133 Prozent auf 1,55 Millionen Tonnen. Damit verzeichnet Marokko unter den nordafrikanischen Abnehmerländern den mit Abstand stärksten Zuwachs – vor Ägypten (plus 48 Prozent, 2,4 Millionen Tonnen) und Algerien (plus 10 Prozent). Insgesamt legten die argentinischen Maisexporte nach Nordafrika um 45 Prozent auf 6,5 Millionen Tonnen zu.
Ukraine-Krieg und Hitzewellen verschieben die Handelsströme
Hintergrund der Verschiebung sind gleich mehrere Angebotsengpässe bei traditionellen Lieferanten. Russische Angriffe auf die Exportinfrastruktur im Hafen von Odessa haben nach Branchenangaben rund 90 Prozent der ukrainischen Exportkapazität lahmgelegt; die ukrainischen Maisausfuhren brachen zuletzt um 52 Prozent ein. Hinzu kommen Hitzewellen in Teilen Europas, die vor allem in Frankreich die Maisernte beeinträchtigt haben. Da Marokko traditionell stark von ukrainischem Getreide abhängig war, suchte das Land verstärkt nach verlässlichen Alternativen – und wurde in Argentinien fündig.
Rekordernte macht argentinischen Mais konkurrenzfähig
Möglich wird die Umlenkung der Handelsströme durch eine außergewöhnlich große argentinische Ernte: Für die Saison 2025/2026 wird die Maisproduktion auf 71,7 Millionen Tonnen geschätzt, rund 20 Prozent über dem bisherigen Rekord. Für die Monate August und September 2026 rechnen Branchenbeobachter mit argentinischen Exporten von rund 10 Millionen Tonnen – gegenüber sonst üblichen 3 Millionen Tonnen in dieser Zeit. „Argentinischer Mais ist derzeit sowohl beim Preis als auch beim Volumen sehr wettbewerbsfähig“, sagte Gustavo Idigoras, Präsident des argentinischen Getreide- und Ölsaatenverbands CIARA-CEC. Argentinien ist nach den USA und Brasilien der drittgrößte Maisexporteur der Welt.
Bedeutung für Marokkos Versorgungssicherheit
Mais spielt in Marokko vor allem als Grundlage für Tierfutter eine wichtige Rolle und wird angesichts begrenzter heimischer Anbauflächen und wiederkehrender Dürrejahre zu einem erheblichen Teil importiert. Da das Land bei Getreide grundsätzlich stark von Einfuhren abhängt, wirken sich Störungen bei einzelnen Lieferanten unmittelbar auf die heimischen Futtermittel- und Lebensmittelpreise aus. Die Diversifizierung der Bezugsquellen gilt in Rabat deshalb als strategisches Ziel, um die Abhängigkeit von einzelnen Krisenregionen wie dem Schwarzmeerraum zu verringern und Preisschwankungen abzufedern.
Ob sich Argentinien als dauerhafter Hauptlieferant etabliert oder die hohen Importmengen nach Abklingen der Ukraine-Krise und der europäischen Ernteausfälle wieder zurückgehen, dürfte sich erst in den kommenden Anbausaisons zeigen. Für die kommenden Monate rechnen Branchenanalysten angesichts der argentinischen Rekordernte und der weiterhin angespannten Lage im Schwarzen Meer jedoch damit, dass der südamerikanische Mais seine neu gewonnene Rolle in der marokkanischen Versorgung zunächst behält.
Quellen: EcoActu, Newsy Today, Le Nouvelliste Maroc


