100.000 Tonnen statt 54.000: Russland will Fangquote in marokkanischen Gewässern fast verdoppeln

Zwei Fischtrawler im Hafen bei Abendlicht (Symbolbild)
Foto: Christian Ferrer, Lizenz CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Russland will seine Fangmengen in marokkanischen Gewässern fast verdoppeln. Die russische Föderale Fischereibehörde Rosrybolovstvo kündigte am Mittwoch, 28. Oktober, beim dritten Russland-Afrika-Gipfel in Moskau an, die jährliche Quote auf 100.000 Tonnen anheben zu wollen. Für 2026 sind Russland 54.000 Tonnen zugeteilt.

Entscheidung liegt bei der gemeinsamen Kommission

Ein höherer Fang hängt laut der Behörde von besseren Fangbedingungen und der Zustimmung der gemeinsamen marokkanisch-russischen Fischereikommission ab. Die 54.000 Tonnen gelten für das erste Jahr des Abkommens. Eine russische Regierungsverordnung vom 23. März 2026 verteilte sie auf die russischen Betreiber. Die Kommission war im Februar zu ihrer ersten Sitzung zusammengekommen.

Die russischen Schiffe in marokkanischen Gewässern zielen auf vier kleine pelagische Arten: Sardinen, Makrelen, Stöcker (Holzmakrelen) und Sardellen. Marokko begrenzt die russischen Fänge durch jährliche Quoten.

Forschungsschiff Atlantida erkundet die Bestände

Parallel läuft eine wissenschaftliche Expedition: Das russische Forschungsschiff Atlantida begann am 26. Oktober eine 45-tägige Untersuchung, nachdem es in Casablanca die Genehmigung erhalten hatte. Geplant sind 145 Trawlvorgänge und Probenahmen an rund 80 mit den marokkanischen Behörden abgestimmten Stellen. An Bord sind 40 russische Fachleute, darunter 12 Wissenschaftler, sowie zwei marokkanische Forscher. Die Ergebnisse sollen in die Entscheidungen der Kommission über künftige Quoten einfließen.

Die Untersuchung folgt auf die „Große Afrika-Expedition“, die Forschungsschiffe des russischen Fischereiinstituts VNIRO kürzlich abgeschlossen haben.

Moskaus Interesse an Afrikas Atlantikküste

Russland hat Marokko und Mauretanien als vorrangige Fischereipartner im Nordwesten Afrikas benannt. Anders als Marokko begrenzt Mauretanien die Fangmengen nicht: Russische Betreiber fischen dort auf Basis kommerzieller Verträge ohne vergleichbare Mengenbeschränkung. Der Vorstoß passt zu Moskaus breiterem Bemühen, seine Präsenz in der Fischerei afrikanischer Gewässer auszubauen. Ernährungssicherheit ist ein zentrales Thema des Gipfels.

Für Marokko ist die Frage heikel, weil kleine pelagische Arten wie Sardinen sowohl für die heimische Versorgung als auch für die Fischindustrie große Bedeutung haben. Ob die Kommission einer Erhöhung zustimmt, dürfte maßgeblich von den Ergebnissen der laufenden Bestandsuntersuchung abhängen.

Quellen: Hespress English

Nach oben scrollen