1,2-Milliarden-Dollar-Megaprojekt: Marokko baut KI-Rechenzentrum in Nouaceur

Foto: Carl Lender, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko hat sich ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt im Bereich Künstliche Intelligenz gesichert: In der Region Nouaceur bei Casablanca entsteht ein Rechenzentrum für KI-Anwendungen mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden US-Dollar. Der Regionalrat Casablanca-Settat hat dafür kürzlich die Mobilisierung von 666 Hektar Fläche für Großindustrieprojekte genehmigt.

Getragen wird das Vorhaben von einem internationalen Konsortium: Nexus Core Systems übernimmt das Projektmanagement, Naver Cloud den Betrieb der Plattform, NVIDIA liefert die neueste Generation an KI-Prozessoren, Lloyds Capital ist für die Finanzierung zuständig, und der marokkanische Energiekonzern TAQA Morocco garantiert eine vollständig erneuerbare Stromversorgung der Anlage.

Die Zielkapazität des als Tier-III-Infrastruktur ausgelegten Rechenzentrums liegt bei 500 Megawatt. Eine erste Ausbaustufe von 40 Megawatt war ursprünglich für Anfang 2026 vorgesehen, verzögerte sich jedoch um mehrere Monate. Perspektivisch soll die Anlage Marokko als führenden Technologiestandort auf dem afrikanischen Kontinent positionieren.

Das Projekt reiht sich in eine Serie von Investitionsentscheidungen internationaler Technologiekonzerne in Marokko ein, die von der geografischen Nähe zu Europa, vergleichsweise günstigen Energiekosten durch den Ausbau erneuerbarer Energien und gezielten staatlichen Investitionsanreizen profitieren. Die Regierung verfolgt das erklärte Ziel, das Land bis 2030 zu einem der wichtigsten KI- und Digitalstandorte Afrikas zu machen.

Update vom 25. September 2026: Technopolis-Deal soll Casablanca zur ersten KI-gesteuerten Stadt Afrikas machen

Rund sieben Wochen nach der ursprünglichen Ankündigung ist eine weitere, deutlich größere Investitionsrunde rund um das Nouaceur-Projekt bekannt geworden: Wie mehrere marokkanische Medien Ende September berichten, kooperiert NVIDIA künftig auch mit Technopolis, einer Tochtergesellschaft der staatlichen Finanzholding Caisse de Dépôt et de Gestion (CDG), um die Cloud-Computing-Kapazitäten rund um Casablanca massiv auszubauen. Für diesen Teil des Vorhabens sind laut den Berichten Investitionen von rund 720 Millionen US-Dollar vorgesehen – zusätzlich zu der bereits bekannten Direktinvestition von 1,2 Milliarden Dollar in die als „Nexus AI Factory“ bezeichnete Recheninfrastruktur in Nouaceur.

In der Region sollen demnach künftig zwei mit NVIDIAs neuester Blackwell-Chipgeneration ausgestattete KI-Supercomputer betrieben werden. Marokkanische Medien beschreiben das Gesamtvorhaben als Ambition, aus der Region um Casablanca die erste vollständig durch Künstliche Intelligenz gesteuerte Stadt Afrikas und der arabischen Welt zu machen – mit KI-gestützten Anwendungen unter anderem in den Bereichen Gesundheit, Finanzen, Energie und Bildung sowie mit Ausbildungsprogrammen, die es afrikanischen Entwicklern ermöglichen sollen, eigene KI-Modelle vor Ort zu trainieren. Ein konkretes Datum für die Inbetriebnahme wurde bislang nicht genannt, ebenso wenig der exakte Standort der neuen Anlage.

Das erweiterte Vorhaben fügt sich in Marokkos Strategie „Maroc IA 2030“ ein, mit der die Regierung bis zum Ende des Jahrzehnts einen Beitrag von 100 Milliarden Dirham zur Wirtschaftsleistung des Landes sowie rund 50.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze im KI-Sektor schaffen will. Casablanca positioniert sich damit neben Standorten wie Kapstadt und Kairo als einer der zentralen Knotenpunkte für den Ausbau von KI-Infrastruktur auf dem afrikanischen Kontinent.

Quellen: Le360, Maroc-Actu, Africa Insights (Capmad)

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