Gegen den Trend: Weltbank hebt Marokkos Wachstumsprognose auf 4,4 Prozent – Region schrumpft um 2,1 Prozent

Blick über die Dächer von Casablanca mit der Hassan-II-Moschee im Abendlicht (Symbolbild)
Foto: elchicogris, Lizenz CC BY-SA 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Während die Wirtschaft im Nahen Osten und Nordafrika unter dem regionalen Konflikt leidet, hält Marokko Kurs: Die Weltbank hebt in ihrem aktuellen Regionalbericht für die Region Naher Osten, Nordafrika, Afghanistan und Pakistan (MENAAP) ihre Wachstumsprognose für das Königreich auf 4,4 Prozent für 2026 an – ein Plus von 0,2 Prozentpunkten gegenüber der Aprilschätzung. Für 2027 rechnet die Institution weiterhin mit 4,0 Prozent. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft nach Weltbank-Angaben um 4,9 Prozent gewachsen.

Region im Abschwung, Marokko im Plus

Der Kontrast zum regionalen Umfeld ist drastisch: Für die MENAAP-Region insgesamt erwartet die Weltbank 2026 eine Schrumpfung um 2,1 Prozent, nach einem Wachstum von 3,3 Prozent im Vorjahr. Die Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC) dürften sogar um 4,3 Prozent einbrechen. Entwicklungsländer, die Öl importieren – darunter Marokko –, kommen mit 4,3 Prozent für 2026 vergleichsweise gut davon. Sollte sich der Konflikt entspannen, könnte die Region ohne den Iran 2027 nach Einschätzung der Weltbank sogar um 7,8 Prozent wachsen.

Im Maghreb-Vergleich steht Marokko ebenfalls stark da: Tunesien kommt 2026 laut den Prognosen auf 2,3 Prozent Wachstum, Jordanien auf 2,7 Prozent.

Niedrige Inflation, moderates Defizit

Auch bei den Preisen zeigt sich das Land stabil. Die Inflation soll von 0,8 Prozent (2025) auf 1,2 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent 2027 steigen. Ägypten kämpft dagegen mit 13,3 Prozent, Tunesien mit 5,5 Prozent. Das Haushaltsdefizit beziffert die Weltbank auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung 2026 und 3,3 Prozent 2027 – in Tunesien liegt es bei 6,0, in Ägypten bei 6,8 Prozent. Das Leistungsbilanzdefizit weitet sich von 2,1 Prozent (2025) auf 3,6 Prozent in diesem Jahr, soll aber 2027 auf 2,4 Prozent sinken.

Schwachstelle Hightech und künstliche Intelligenz

Der Bericht widmet sich auch dem Thema künstliche Intelligenz. Hightech-Produkte machten 2024 nur rund fünf Prozent der marokkanischen Industrieexporte aus; in Tunesien sind es mehr als sieben Prozent. Lediglich 4,3 Prozent der Betriebe nutzen Big-Data-Analyse oder KI, 40 Prozent Cloud-Dienste. Als Lichtblick nennt die Weltbank das Rechenzentrumsprojekt „Nexus AI Factory“ mit einem Volumen von 1,2 Milliarden US-Dollar, das vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden soll.

Für den Arbeitsmarkt sieht die Weltbank in der gesamten Region weniger als zehn Prozent der Stellen einem hohen kurzfristigen Automatisierungsrisiko ausgesetzt, während 13 bis 20 Prozent der Jobs deutlich von KI-Werkzeugen profitieren könnten.

Die Prognose liegt auf einer Linie mit der jüngsten Einschätzung der Zentralbank Bank Al-Maghrib, die für 2026 ebenfalls 4,4 Prozent erwartet. Die neue Regierung unter Fatima Ezzahra El Mansouri erbt damit eine robuste Ausgangslage – muss aber zügig den Haushalt 2027 auf den Weg bringen.

Quellen: Morocco World News

Nach oben scrollen