
Marokko will 2027 deutlich mehr Geld in Gesundheit und Bildung stecken. Wirtschafts- und Finanzminister Fouzi Lekjaa hat bei der Debatte über das Finanzgesetz 2027 in der Abgeordnetenkammer am 23. Oktober die Eckdaten für beide Bereiche vorgestellt: 45,4 Milliarden Dirham für das Gesundheitswesen und 121,3 Milliarden Dirham für Bildung, Berufsausbildung und Hochschulen.
Gesundheit: 3 Milliarden mehr und 8.000 neue Stellen
Das Gesundheitsbudget steigt laut Lekjaa um 3 Milliarden Dirham gegenüber 2026. Vorgesehen sind 8.000 neue Stellen, um den Personalmangel zu lindern. Zudem soll ein Universitätsklinikum in Casablanca entstehen, und Einrichtungen in Beni Mellal, Guelmim und Errachidia sollen ausgestattet und in Betrieb genommen werden. Weiterlaufen sollen Projekte der Vorgängerregierung; die Digitalisierung des Gesundheitswesens soll beschleunigt werden. Ziel sei es, so der Minister sinngemäß, den Zugang zu hochwertiger Versorgung zu verbessern und den öffentlichen Sektor zu stärken.
Der Bedarf ist groß: Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums fehlen für 2025/2026 rund 83.000 Fachkräfte, darunter fast 28.000 Ärztinnen und Ärzte. Laut einem Bericht von Le Monde Afrique verlassen jährlich rund 700 Mediziner das Land, etwa ein Drittel der Absolventen. Zuletzt hatten Todesfälle von Frauen nach Kaiserschnitten am regionalen Krankenhaus in Agadir für Proteste gesorgt.
Bildung: 5,3 Milliarden Dirham zusätzlich
Für Bildung, Berufsausbildung und Hochschulen sind 121,3 Milliarden Dirham eingeplant, 5,3 Milliarden mehr als 2026. Lekjaa nannte als Ziele unter anderem, die Schulabbrecherquote zu senken, die Berufsausbildung auszubauen und junge Menschen in Ausbildung und „menschenwürdige Beschäftigung“ zu bringen. Das Finanzgesetz soll dafür den Rahmen setzen. Geplant ist ein nationales Programm 2027–2031 mit Berufsorientierung, Training, Gründungsunterstützung und Zugang zu Finanzierung. Es soll zersplitterte Einzelinitiativen durch einen integrierten Ansatz ersetzen.
Regierungschefin Fatima Ezzahra El Mansouri hatte bei der Vorstellung des Regierungsprogramms auf die Lage junger Menschen verwiesen: Rund 2,9 Millionen der 15- bis 29-Jährigen sind weder in Ausbildung noch in Arbeit, die Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen liege bei 29,2 Prozent. Etwa 300.000 Schüler verließen jährlich die Schule ohne Abschluss; andere Schätzungen nennen rund 280.000.
Was jetzt folgt
Das Finanzgesetz 2027 wird weiter im Parlament beraten. Die Zahlen zeigen die Prioritäten der neuen Regierung, ob sie reichen, um Personalmangel und Schulabbrüche spürbar zu verringern, hängt von der Umsetzung ab. Eine Aufschlüsselung nach Posten und feste Zeitpläne für die Klinikprojekte nannte der Minister bislang nicht.
Quellen: Morocco World News (Gesundheit), Morocco World News (Bildung)


