Afrobarometer: Marokkos „Lived Poverty“ sinkt auf 22 Prozent – acht Millionen Menschen weiter betroffen

Bergdorf im Hohen Atlas bei Imlil mit Häusern zwischen grünen Hängen (Symbolbild)
Foto: Hayatrif, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko gehört zu den afrikanischen Ländern mit der geringsten „gefühlten“ Armut – doch rund acht Millionen Menschen leiden weiterhin unter Entbehrungen. Das geht aus einem neuen Bericht des panafrikanischen Forschungsnetzwerks Afrobarometer hervor, über den Hespress am 3. November berichtete. Demnach erlebt etwa jeder fünfte der gut 37 Millionen Einwohner mittlere oder hohe sogenannte „Lived Poverty“.

Sechs Prozentpunkte weniger in zehn Jahren

Die Quote sank im Vergleich der Erhebungen 2014/2015 und 2024/2025 um sechs Prozentpunkte auf rund 22 Prozent. Marokko zählt damit zu nur fünf Ländern des Kontinents mit einem signifikanten Rückgang – neben Lesotho, Liberia, der Elfenbeinküste und Tansania. Im afrikanischen Vergleich liegen nur die Seychellen (7 Prozent) und Mauritius (12 Prozent) besser.

Der Trend auf dem Kontinent verläuft gegenläufig: In 22 der 30 Länder, die in beiden Zeiträumen befragt wurden, stieg die erlebte Armut um mindestens drei Punkte, im Schnitt um 13 Punkte. Die schärfsten Anstiege verzeichneten Nigeria und Namibia mit jeweils 41 Punkten, gefolgt von Südafrika mit 25 Punkten. Insgesamt erlebten in den 38 untersuchten Ländern 60 Prozent der Befragten mittlere oder hohe Entbehrungen; am höchsten war der Wert im Tschad (86 Prozent), vor Gabun (81) und Madagaskar (80).

Was „Lived Poverty“ misst

Anders als Einkommensstatistiken fragt Afrobarometer, wie oft Haushalte im vergangenen Jahr auf fünf Grundgüter verzichten mussten: Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Versorgung, Brennstoff zum Kochen und Bargeld. In Marokko gaben 12 Prozent an, häufig oder immer ohne Bargeldeinkommen auszukommen, 7 Prozent ohne Medikamente oder ärztliche Hilfe, 3 Prozent ohne ausreichend Wasser, 2 Prozent ohne Kochbrennstoff und 1 Prozent ohne genügend Nahrung.

Arbeitslosigkeit und Landleben als Risikofaktoren

Die Studie zeigt, wer besonders betroffen ist: Unter Arbeitslosen erleben 66 Prozent mittlere oder hohe Armut, unter Erwerbstätigen 48 Prozent (kontinentweite Werte). Auf dem Land liegt der Anteil bei 68 Prozent, in Städten bei 53 Prozent. Zudem hatten 63 Prozent der stark Betroffenen Schwierigkeiten, medizinische Versorgung zu erhalten – bei Menschen ohne Armutserfahrung waren es 31 Prozent.

Für Marokko, das nach der Parlamentswahl im Herbst über Sozial- und Haushaltspolitik für 2027 verhandelt, liefert der Bericht damit eine nüchterne Zwischenbilanz: Der Fortschritt ist im Kontinentalvergleich deutlich, doch bei Bargeldeinkommen und Gesundheitsversorgung bleiben spürbare Lücken.

Quellen: Hespress English

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