In Nordmarokko ist ein weiteres Kind an Diphtherie gestorben. Nach Angaben von Hespress erlag ein zwölfjähriger Junge aus Ksar El Kebir am frühen Dienstagmorgen, dem 27. Oktober, im Provinzkrankenhaus Lalla Meryem in Larache den Folgen der Infektion – nach mehreren Tagen auf der Intensivstation. Er war nicht gegen Diphtherie geimpft. Damit werden in den vergangenen Wochen drei Todesfälle bei Kindern im Zusammenhang mit der Krankheit gemeldet; zwei davon ereigneten sich laut Hespress im Salé-Viertel Sidi Abdellah.
Vier bestätigte Fälle im Norden
Die Gesundheitseinrichtungen der Region Tanger-Tétouan-Al Hoceïma haben nach Hespress-Angaben vier Fälle bestätigt. Drei der Patienten wurden behandelt und konnten nach Hause entlassen werden. In Salé begannen die Gesundheitsbehörden mit der Kontaktverfolgung, mit Impfungen und medizinischen Untersuchungen im Umfeld der Erkrankten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Welche Maßnahmen im Fall des Jungen aus Ksar El Kebir konkret ergriffen wurden, ist öffentlich bislang nicht im Detail bekannt; die Umstände müssten von den zuständigen Behörden noch präzisiert werden, so das Portal Heure du Journal.
Die Fälle im Norden reihen sich in eine Serie ein, die Marokko seit Ende September beschäftigt. Damals hatte das Gesundheitsministerium zwei familiäre Krankheitscluster in der Region Souss-Massa gemeldet, darunter zwei Todesverdachtsfälle. Anfang Oktober wurde zudem der Tod eines zwölfjährigen Mädchens aus der Provinz Youssoufia bekannt, das ebenfalls nicht gegen Diphtherie geimpft war. Der regionale Gesundheitsdelegierte Hicham Louad bezeichnete die Lage in der Provinz damals als stabil.
Elternverbände fordern mehr Schutz an Schulen
Vertreter der Elternverbände drängen auf schnelleres Handeln. Said Kachani, Präsident der Nationalen Konföderation der Elternvereinigungen, räumte laut Hespress ein, dass die Impfkampagnen im Norden voranschreiten, es aber Verzögerungen bei der Prävention und Defizite in der Koordination gebe. Noureddine Akkouri, Präsident des Nationalen Verbandes der Elternvereinigungen, forderte Familien auf, die Impfpässe ihrer Kinder zu prüfen, und verlangte eine engere Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Bildungsbehörden, eine stärkere Gesundheitsüberwachung an Schulen sowie regelmäßige offizielle Informationen für Eltern. „Schulen müssen sichere Orte zum Lernen bleiben“, sagte er und warnte davor, erst auf eine Ausbreitung der Infektionen zu warten.
Impfung bleibt der wichtigste Schutz
Diphtherie ist eine bakterielle Infektion, die vor allem die Atemwege befällt und lebensgefährlich verlaufen kann. Der wirksamste Schutz ist die Impfung. Das marokkanische Gesundheitsministerium hatte bereits Anfang Oktober darauf hingewiesen, dass die Impfstoffe des nationalen Impfprogramms in öffentlichen Einrichtungen kostenlos sind und in ausreichender Menge vorhanden seien. Es führt die Zunahme impfpräventabler Krankheiten auf sinkende Impfquoten zurück und rät Eltern, den Impfstatus ihrer Kinder zu prüfen und fehlende Dosen nachzuholen. Bei Fieber, Halsschmerzen sowie Schluck- oder Atembeschwerden sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden – Atemnot gilt als medizinischer Notfall.
Quellen: Hespress English, Heure du Journal, Morocco World News


