Rabat als Weltbuchhauptstadt: Erste Stadtteilbibliotheken eröffnet

Nationalbibliothek des Königreichs Marokko in Rabat
Foto: Octagon, Lizenz CC BY 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Rabat treibt sein Programm als UNESCO-Weltbuchhauptstadt 2026 voran: In der marokkanischen Hauptstadt haben in den vergangenen Wochen die ersten von mehreren geplanten Stadtteilbibliotheken eröffnet. Ziel ist es, Bücher aus klassischen Institutionen herauszuholen und direkt in den Alltag der Bewohner zu bringen – ohne feste Öffnungszeiten, Anmeldeformalitäten oder klassische Bibliotheksgebäude.

Erste Standorte im Park und an der Chellah

Den Anfang machte am 8. August eine Bibliothek im Garten Nouzhat Hassan. Eine Woche später, am 15. August, folgten zwei weitere Standorte auf dem Gelände der antiken Ausgrabungsstätte Chellah, einem der bekanntesten historischen Orte der Stadt. Die Organisatoren kündigten an, im September zusätzliche Lese-Orte im Botanischen Versuchsgarten sowie an Tramhaltestellen zu eröffnen. Die Bibliotheken sind bewusst als offene öffentliche Räume angelegt, die Bewohner ohnehin im Alltag durchqueren – ein Konzept, das Lesen niedrigschwelliger machen soll als der Gang in eine klassische Bücherei.

Fokus auf Kinder, Jugendliche und benachteiligte Stadtteile

Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder, Jugendliche und Familien und soll den Zugang zu Wissen verbreitern sowie neue Lesegewohnheiten fördern – besonders in Vierteln, die bislang schlechter an das klassische Bibliothekswesen angebunden waren. Die UNESCO hatte Rabat als Nachfolgerin von Rio de Janeiro zur Weltbuchhauptstadt 2026 gekürt und würdigte damit das Engagement der Stadt für literarische Entwicklung sowie für die Stärkung von Frauen und jungen Menschen durch das Lesen und den Kampf gegen Analphabetismus in unterversorgten Gemeinden. Der Titel gilt von April 2026 bis April 2027, Rabat verfügt zudem bereits mit der Nationalbibliothek des Königreichs Marokko über eine etablierte Infrastruktur für das Programm.

Mehr als 340 Veranstaltungen im Jahresprogramm

Die Stadtteilbibliotheken sind nur ein Baustein eines deutlich größeren Programms: Insgesamt sind über das Jahr verteilt mehr als 340 Aktivitäten geplant, von kulturellen Veranstaltungen und Fortbildungen bis zu sozialen Initiativen, Fachtreffen, Konferenzen, Auftritten und literarischen Großevents. Bücher sollen im Rahmen des Programms zudem gezielt an Orte gebracht werden, die sonst kaum von Leseangeboten erreicht werden – darunter Krankenhäuser, Justizvollzugsanstalten, Waisenhäuser, Jugendzentren, Verkehrsknotenpunkte sowie öffentliche Plätze und Parks. Damit will Rabat nicht nur symbolisch, sondern mit konkreten, alltagsnahen Angeboten von seinem Jahr als Weltbuchhauptstadt profitieren und langfristig zu einer nachhaltigeren Leseförderung sowie zur Stärkung der heimischen Verlagsbranche beitragen.

Quellen: Hespress English, UNESCO

Nach oben scrollen