Wahlkampfauftakt in Taounate: Lekjaa macht „Marokko der zwei Geschwindigkeiten“ zum PAM-Thema

Fouzi Lekjaa spricht am Rednerpult bei einer Veranstaltung
Foto: Amsttu, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Wenige Tage vor dem offiziellen Start des Wahlkampfs zur Parlamentswahl am 23. September hat Fouzi Lekjaa, seit Anfang August Mitglied im Politbüro der Authentizitäts- und Modernitätspartei (PAM), seine erste große politische Grundsatzrede seit seinem Parteiwechsel gehalten. Bei einer Parteiveranstaltung am Freitag in der Gemeinde El Ghouazi in der Provinz Taounate erklärte der bisherige Verbandschef des marokkanischen Fußballs und heutige Haushaltsminister, die Überwindung eines „Marokko der zwei Geschwindigkeiten“ müsse zur zentralen Aufgabe der nächsten Regierung werden.

Regionale Ungleichheit als zentrales Wahlkampfthema

Lekjaa verwies auf anhaltende Entwicklungsunterschiede zwischen den Regionen des Königreichs und forderte, das Tempo des Fortschritts in Bildung, Gesundheitsversorgung und Straßeninfrastruktur anzugleichen. Als besonders alarmierend nannte er die Zahl von mehr als 300.000 Schülerinnen und Schülern, die jedes Jahr vorzeitig die Schule verlassen – ein Problem, dem seiner Ansicht nach mit gezielten Programmen gegen Schulabbruch begegnet werden müsse. Investitionen in das „Humankapital“ seien unverzichtbar, um das Potenzial junger Marokkaner in Sport, Ingenieurwesen, Medizin und Innovation nutzbar zu machen. Die künftige Regierung trage hier eine besondere Verantwortung, so Lekjaa, der die Bürger zugleich aufrief, sich an der Wahl zu beteiligen und Kandidaten mit nachweisbarer Kompetenz zu wählen.

PAM verstärkt Präsenz im ländlichen Marokko

Die Rede fiel in eine Serie von Parteiterminen, mit denen die PAM ihre Präsenz abseits der großen Städte ausbaut. Bereits am selben Tag hatte die nationale Koordinatorin der PAM-Kollegialführung, Fatima Zahra El Mansouri, im nahegelegenen Dorf Ba Mohamed ein „Marokko mit zwei Geschwindigkeiten“ als „greifbare Realität“ bezeichnet und auf neun in der Provinz Taounate unterzeichnete Entwicklungskonventionen sowie 49 weitere in der Region Fès-Meknès verwiesen. Trotz dieser Investitionen bleibe die Kluft zwischen den Chancen eines in einer Großstadt geborenen Jugendlichen und jenen in Provinzen wie Taounate bestehen, so Mansouri, die eine „Versöhnung zwischen der Jugend und der Gesellschaft“ als zentrale Aufgabe der kommenden Jahre bezeichnete.

Lekjaa war erst Anfang August offiziell der PAM beigetreten und hatte damit unter anderen Sportfunktionären einen regelrechten parteipolitischen Wechsel ausgelöst. Als Mitglied des Politbüros gilt er nach Artikel 47 der Verfassung als möglicher Kandidat für das Amt des Regierungschefs, sollte die PAM bei der Wahl am 23. September stärkste Kraft werden – unabhängig davon, ob er selbst an der Parteispitze steht. Mit seinem ersten öffentlichen Grundsatzauftritt in einer ländlichen Provinz signalisiert er nun, dass die PAM die soziale und territoriale Ungleichheit zu einem ihrer zentralen Wahlkampfthemen machen will.

Quellen: Hespress, Hespress

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