
Zum Aid Al-Mawlid Annabaoui, dem Fest zum Geburtstag des Propheten Mohammed, hat König Mohammed VI. am Montagabend im Königspalast in Rabat eine religiöse Nachtwache abgehalten und dabei 634 Personen begnadigt. Unter den Begnadigten sind 15 Häftlinge, die wegen Extremismus- und Terrorismusdelikten verurteilt worden waren und im Zuge der Begnadigung offiziell ihre radikalen Positionen widerrufen haben.
Zeremonie im Beisein der königlichen Familie
An der traditionellen Feier nahmen neben dem König auch Kronprinz Moulay El Hassan sowie die Prinzen Moulay Rachid und Moulay Ahmed teil. Im Mittelpunkt der Zeremonie standen Koranrezitationen und Lobpreisungen auf den Propheten. Der Minister für islamische Angelegenheiten, Ahmed Toufiq, stellte dem König zudem eine Bilanz der Aktivitäten des Obersten Wissenschaftlichen Rates und der lokalen Gelehrtenräte vor sowie Maßnahmen anlässlich des Beginns des 15. Jahrhunderts nach der Hidschra seit der Geburt des Propheten. Mohammed VI. übermittelte im Rahmen der Feier zudem Glückwünsche an die Staats- und Regierungschefs muslimischer Länder.
Begnadigung als wiederkehrendes Instrument
Begnadigungen zu religiösen Anlässen wie Aid Al-Mawlid, dem Thronjubiläum oder dem Unabhängigkeitstag gehören zur Tradition der marokkanischen Monarchie. Besonders bemerkenswert ist in diesem Jahr die Freilassung von 15 wegen Extremismus verurteilten Häftlingen: Nach Angaben der königlichen Verwaltung hatten diese im Rahmen von Betreuungsprogrammen in den Gefängnissen ihre ideologische Ausrichtung überprüfen lassen und sich öffentlich von extremistischem Gedankengut distanziert. Marokko betreibt seit Jahren Deradikalisierungsprogramme in seinen Haftanstalten, die unter anderem von religiösen Gelehrten und Psychologen begleitet werden.
Landesweiter Feiertag
Aid Al-Mawlid ist in Marokko gesetzlicher Feiertag. In zahlreichen Städten des Landes finden traditionelle Feierlichkeiten statt, darunter religiöse Prozessionen, öffentliche Koranrezitationen und Familienfeste. Besonders bekannt ist die jährliche Kerzenprozession in Salé, die zu den ältesten Bräuchen des Landes rund um den Feiertag zählt. Die Feierlichkeiten fallen in diesem Jahr in eine politisch angespannte Phase, da sich Marokko zugleich mitten im Wahlkampf für die Parlamentswahlen am 23. September befindet.


