
Foto: مصطفى ملو, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons
Marokko nimmt vom 16. September an wieder Weichweizen-Importe auf – und stellt Einführern dafür erneut eine staatliche Preisausgleichszahlung in Aussicht. Grund ist eine Versorgungslücke bei den Mühlen: Die heimische Ernte reicht bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken, nachdem die Regierung Importe seit Juni ausgesetzt hatte, um einheimischen Bauern Zeit für den Verkauf ihrer Ernte zu verschaffen.
Nur ein Bruchteil des Bedarfs aus heimischer Ernte
Nach Angaben der Getreidehändlerverbände wurden bislang rund 6 Millionen Doppelzentner Weichweizen bei den Erzeugern eingesammelt. Das entspricht nur etwa 10 bis 12 Prozent des jährlichen Bedarfs der marokkanischen Mühlen, der auf rund 50 Millionen Doppelzentner geschätzt wird. Ursprünglich hatte die Regierung mit einer Ernte von 15 bis 20 Millionen Doppelzentnern gerechnet – dieses Ziel dürfte klar verfehlt werden. Abdelkader Alaoui, Präsident des Nationalen Müllerverbands, erklärte gegenüber marokkanischen Medien, die eingesammelte Menge decke lediglich 10 bis 12 Prozent des Jahresbedarfs der Mühlen ab: „Wir können nicht länger warten.“ Er verwies darauf, dass die Lagerbestände seit Juni kontinuierlich zurückgegangen seien.
Importeure sollen Preisdifferenz erstattet bekommen
Auch Omar El Yaakoubi, Präsident des Nationalen Verbands der Getreide- und Hülsenfrüchtehändler, bestätigte die Notwendigkeit der Wiederaufnahme: Importe seien nötig geworden, um die strategischen Lagerbestände wieder aufzufüllen, nachdem viele Landwirte einen Teil ihrer diesjährigen Ernte zurückgehalten hätten. Er bezifferte den erwarteten Importpreis auf über 270 Dirham pro Doppelzentner und verwies auf steigende Frachtkosten durch geopolitische Störungen als zusätzliches Risiko für die Lieferketten. Konkret soll die Regierung vom 16. September bis zum 31. Dezember die Differenz zwischen dem internationalen Preis von rund 285 Dirham und dem an die Mühlen weitergegebenen Preis von 270 Dirham pro Doppelzentner übernehmen – eine Ausgleichszahlung von etwa 14,5 bis 15 Dirham je Doppelzentner. Die Regelung soll für Lieferungen gelten, die ab dem Stichtag verladen werden. Ergänzend war bereits zuvor ein Importzoll von 170 Prozent in Kraft, der bis August dem Schutz der heimischen Erzeuger diente.
Zweite Kehrtwende innerhalb weniger Monate
Für Marokko ist es bereits die zweite Kurskorrektur bei der Weizenpolitik in diesem Jahr: Nach einer guten Regenperiode und der Aussicht auf eine überdurchschnittliche Ernte hatte die Regierung im Frühjahr zunächst temporäre Importbeschränkungen eingeführt, um heimischen Bauern bessere Absatzchancen zu sichern. Da die tatsächlich eingesammelte Menge jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, mussten die Mühlen nun binnen weniger Monate erneut auf Importe zurückgreifen. Die Entwicklung unterstreicht, wie stark Marokkos Brotversorgung weiterhin von unregelmäßigen Niederschlägen und internationalen Getreidemärkten abhängt – ein strukturelles Thema, das die Regierung mit Interventionsfonds und Subventionen seit Jahren abzufedern versucht.
Quellen: Morocco World News, Hespress English


