Marokko und Indien wollen bilateralen Handel bis 2031 verdoppeln

Treffen indischer und marokkanischer Regierungsvertreter in Rabat (Archivbild)
Foto: Ministry of External Affairs (India), Lizenz GODL-India, Quelle: Wikimedia Commons (Archivbild, 2019)

Marokko und Indien wollen ihren bilateralen Handel innerhalb der kommenden fünf Jahre verdoppeln. Das vereinbarten beide Länder bei der siebten Sitzung der marokkanisch-indischen Gemischten Kommission, die am 24. und 25. August in Rabat zusammenkam. Anlass war ein offizieller Besuch des indischen Staatsministers für Handel, Industrie sowie Elektronik und Informationstechnologie, Jitin Prasada, der auf marokkanischer Seite von mehreren Ministern empfangen wurde.

Handelsvolumen soll von vier auf acht Milliarden Dollar steigen

Der bilaterale Handel zwischen Marokko und Indien ist zwischen 2021 und 2025 im Schnitt um 12,4 Prozent pro Jahr gewachsen und kletterte in diesem Zeitraum von rund 2,9 Milliarden auf gut 4 Milliarden US-Dollar. Nach Angaben aus der Gemischten Kommission sehen beide Seiten aber noch ungenutztes Potenzial von etwa 2,6 Milliarden Dollar – aufgeteilt in rund 1,4 Milliarden Dollar zusätzliche marokkanische Exportchancen und etwa 1,2 Milliarden Dollar auf indischer Seite. Indien zählt inzwischen zu Marokkos viertgrößten Absatzmärkten und zehntgrößten Lieferanten. „Die Diversifizierung des Warenkorbs und der Ausbau des Marktzugangs würden helfen, das erhebliche und noch immer ungenutzte Potenzial zu erschließen“, erklärten beide Regierungen im Anschluss an das Treffen.

Neue Arbeitsgruppe soll Freihandelsabkommen prüfen

Marokkos Staatssekretär für Außenhandel, Omar Hejira, leitete die Gespräche auf marokkanischer Seite gemeinsam mit Industrie- und Handelsminister Riyad Mezzour, Investitionsminister Karim Zidane und der für die digitale Transformation zuständigen Ministerin Amal El Fallah Seghrouchni. Als konkretes Ergebnis wurde die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe (Joint Working Group) vereinbart, die unter anderem die Möglichkeit eines Präferenzhandelsabkommens zwischen beiden Ländern ausloten soll. Als Wachstumsfelder nannten beide Seiten insbesondere Automobilindustrie, Luftfahrt, Textilien, Pharmazie, Recycling, Baustoffe sowie Digitalisierung und künstliche Intelligenz.

Bestehende Kooperationen als Grundlage

Bereits heute bestehen enge industrielle Verbindungen zwischen beiden Ländern, etwa über das Gemeinschaftsunternehmen India-Maroc Phosphore (IMACID) sowie eine Partnerschaft zwischen dem marokkanischen Phosphatkonzern OCP Group und dem indischen Düngemittelhersteller Paradeep Phosphates. Bei dem Treffen unterzeichneten beide Seiten zudem ein Memorandum zur Zusammenarbeit im Bereich Lebensmittelsicherheit zwischen Marokkos Lebensmittelsicherheitsbehörde ONSSA und der indischen FSSAI sowie ein Kulturaustauschprogramm für die Jahre 2026 bis 2030. Auch die Unternehmensverbände beider Länder, die marokkanische CGEM und die indische CII, sollen den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen künftig stärker begleiten. 2027 feiern Marokko und Indien das 70-jährige Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen – ein Datum, auf das beide Regierungen die neue Handelsoffensive ausdrücklich ausrichten wollen.

Nachtrag: Gemeinsame Kommission für KI und Sprachtechnologien vereinbart

Update vom 31. August: Am Rande derselben Gespräche vereinbarten Marokkos Ministerin für digitale Transformation und Verwaltungsreform, Amal El Fallah Seghrouchni, und Indiens Staatsminister Jitin Prasada zusätzlich die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission für Künstliche Intelligenz und Sprachtechnologien. Im Mittelpunkt soll die Entwicklung mehrsprachiger digitaler Verwaltungsangebote stehen, die verschiedene Sprachen, Sprachvarianten und Dialekte unterstützen und so den Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu digitalen öffentlichen Diensten erleichtern sollen. Beide Seiten knüpfen damit an die Zusammenarbeit an, die beim „AI Impact Summit“ im Februar 2026 in Neu-Delhi begonnen wurde, und sprachen zudem über eine mögliche Einbindung der marokkanischen JAZARI-Institute für Künstliche Intelligenz in das Vorhaben.

Quellen: Ecofin Agency, DD India

Nach oben scrollen