
Marokko treibt seine Ambitionen bei der Offshore-Windenergie einen entscheidenden Schritt voran: Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat ein von der britischen Beratungsgesellschaft OWC geführtes Konsortium mit der Machbarkeitsstudie für den ersten Offshore-Windpark des Königreichs beauftragt. Die Untersuchung wird in enger Abstimmung mit der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energien (MASEN) durchgeführt und über den FEMIP-Treuhandfonds (Facility for Euro-Mediterranean Investment and Partnership) der EIB finanziert.
Zweijährige Studie prüft Standort und Machbarkeit
Das Vorhaben soll vor der Atlantikküste bei Essaouira entstehen und eine Kapazität von rund 1 Gigawatt erreichen – genug, um mehrere Hunderttausend Haushalte mit Strom zu versorgen. Die auf zwei Jahre angelegte Studie deckt ein breites Spektrum ab: von der Analyse des Offshore-Windmarkts über die Standortauswahl, Windmessungen und ein vorläufiges Parkdesign bis hin zu Fragen der Hafenlogistik, des regulatorischen Rahmens, der Netzanbindung sowie mariner und sozial-ökologischer Auswirkungen. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte der Baubeginn nach Angaben der beteiligten Unternehmen bereits im Jahr 2029 erfolgen.
Neben OWC als Konsortialführer sind mehrere weitere Firmen an der Studie beteiligt: PHENIXA und SOFECO, beide Teil der Ginger Group, sowie Gaïa Terre Bleue und das marokkanische Ingenieurbüro NOVEC. Zusätzliche maritime Expertise steuert ABL bei, die Schwesterfirma von OWC unter dem gemeinsamen Dach der Aqualis-Gruppe. OWC-Teams aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland sollen dabei unter anderem ihre Erfahrung in Hafenlogistik und maritimer Planung einbringen.
Riesiges Potenzial vor Marokkos Küsten
Hakim Mouslim, Regionaldirektor für Europa und Afrika bei OWC, ordnete den Auftrag als richtungsweisend ein: „Dies ist ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg Marokkos und Afrikas in eine erneuerbare Energiezukunft.“ Hintergrund ist ein nach Einschätzung der Weltbank enormes technisches Potenzial: Vor Marokkos Küsten sollen sich rund 200 Gigawatt an Offshore-Windkapazität erschließen lassen, davon etwa 22 Gigawatt in Flachwasserzonen mit bodenfesten Fundamenten und rund 178 Gigawatt in tieferen Gewässern, die schwimmende Anlagen erfordern würden.
Der Vorstoß fügt sich in Marokkos breiter angelegte Strategie zum Ausbau erneuerbarer Energien ein, mit der das Land seine Solar- und Windkapazitäten in den kommenden Jahren deutlich erweitern will. Während bisherige Windprojekte im Königreich ausschließlich an Land realisiert wurden, wäre ein Offshore-Windpark bei Essaouira technologisches Neuland für Marokko – und könnte, sollte die Machbarkeitsstudie erfolgreich verlaufen, zum Vorbild für weitere Projekte entlang der rund 3.500 Kilometer langen Atlantik- und Mittelmeerküste des Landes werden.
Quellen: Offshore Wind, Yabiladi


