
Foto: Ideophagous, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons
Marokko kehrt am 20. September 2026 nach acht Jahren mit ganzjähriger Sommerzeit zur gesetzlichen Zeitzone GMT zurück. Laut Dekret Nr. 2.26.530 werden die Uhren in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 2 Uhr morgens auf 1 Uhr zurückgestellt. Für Millionen Marokkaner endet damit ein achtjähriges Experiment, das in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten war.
Acht Jahre Dauer-Sommerzeit und wachsender Unmut
Die Regierung hatte GMT+1 im Oktober 2018 als permanente Standardzeit eingeführt, um den bis dahin üblichen halbjährlichen Uhrwechsel abzuschaffen und die Zeitdifferenz zu wichtigen europäischen Handelspartnern zu verringern. Eine Ausnahme blieb bestehen: Während des Fastenmonats Ramadan schaltete Marokko jedes Jahr vorübergehend auf die reguläre GMT-Zeit zurück, was bei Fluggesellschaften, internationalen Unternehmen und Touristen regelmäßig für Verwirrung sorgte. In den vergangenen Jahren wuchs zudem der Unmut in der Bevölkerung: Kinder mussten in den Wintermonaten im Dunkeln zur Schule, Verkehrsexperten warnten vor erhöhten Unfallrisiken am frühen Morgen, und eine im Frühjahr 2026 gestartete Bürgerpetition für die Rückkehr zur „natürlichen Zeit“ sammelte binnen weniger Wochen mehr als 200.000 Unterschriften.
Fehlende Energieeinsparung als Wendepunkt
Offiziell hatte die Regierung die Umstellung 2018 auch mit erwarteten Energieeinsparungen begründet. Doch genau dieses Argument bröckelte zuletzt: Energieministerin Leila Benali räumte im Frühjahr 2026 ein, dass die zusätzliche Stunde in den Wintermonaten „nicht dieselben Energieeinspareffekte wie im Sommer“ gebracht habe und eine spürbare Senkung des Stromverbrauchs ausgeblieben sei. Regierungschef Aziz Akhannouch verkündete die Kehrtwende schließlich am 25. Juni 2026 und begründete sie mit den „wiederholten Forderungen der Bürger nach mehreren Jahren der Debatte und Unzufriedenheit“. Das entsprechende Dekret wurde Anfang Juli im marokkanischen Amtsblatt veröffentlicht.
Praktische Folgen: Schule, Flugpläne, Wahlen
Für den Alltag bedeutet die Rückkehr zu GMT vor allem hellere Wintermorgen und den Wegfall der jährlichen Ramadan-Sonderregelung. Fluggesellschaften, Bahnbetreiber, Banken und exportorientierte Callcenter müssen ihre Fahrpläne und Arbeitszeiten anpassen, da sich der Zeitunterschied zu wichtigen europäischen Partnern wie Frankreich und Spanien künftig wieder um eine zusätzliche Stunde vergrößert. Auffällig ist der Zeitpunkt der Umstellung: Nur drei Tage später wählt Marokko am 23. September ein neues Parlament – ein Zusammentreffen, das in politischen Kreisen bereits Spekulationen befeuert, ob die Regierung mit der bei vielen Bürgern populären Maßnahme kurz vor der Wahl noch punkten wollte. Eine umfassende Bilanz zu den tatsächlichen Auswirkungen der achtjährigen GMT+1-Phase auf Energieverbrauch, Gesundheit und Schulalltag steht von offizieller Seite bislang aus.
Quellen: Morocco World News, Le Matin.ma, Médias24


