
Die Agence du Bassin Hydraulique du Sebou (ABHS) hat eine internationale Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie gestartet, die das Potenzial schwimmender Photovoltaikanlagen auf zwölf großen Staudämmen im Sebou-Einzugsgebiet untersuchen soll. Ziel ist es, auf den Wasserflächen der Reservoirs Solarstrom zu erzeugen und gleichzeitig die Verdunstung zu verringern – ein Ansatz, der angesichts wiederkehrender Dürreperioden in Marokko zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Zwölf Staudämme im Fokus der Studie
Untersucht werden sollen die Reservoirs Garde de Sebou, El Kansera, Ouljet Essoltane, Al Wahda, Sidi Chahed, der Allal-Fassi-Komplex, M’daz, Bab Louta, Idriss I., Bouhouda, Sahla und Asfalou. Die Anlagen verteilen sich über mehrere Provinzen des Beckens, darunter Kénitra, Khémisset, Ouazzane, Moulay Yacoub, Sefrou, Taza und Taounate. Die Studie soll technische, hydraulische, energetische, ökologische und regulatorische Aspekte abdecken: von der Identifizierung nutzbarer Wasserflächen über Umweltverträglichkeitsprüfungen bis hin zu Geschäftsmodellen für mögliche Investoren. Als Finanzierungsvarianten werden unter anderem öffentlich-private Partnerschaften, Konzessionen und Verträge mit unabhängigen Stromerzeugern genannt.
Nach Angaben der ABHS soll die Untersuchung schrittweise vorgehen: Zunächst stehen Datenerhebung und ein vergleichender Überblick über die zwölf Standorte an, darauf folgen detaillierte Machbarkeitsanalysen und eine Priorisierung einzelner Dämme. Am Ende soll ein gestuftes Entwicklungsprogramm für kurz-, mittel- und langfristige Umsetzung stehen. Als Vorteile schwimmender Solaranlagen gegenüber Freiflächenanlagen an Land nennen Experten neben dem Verdunstungsschutz auch die natürliche Kühlung der Module durch das Wasser, die deren Wirkungsgrad erhöht, sowie den Verzicht auf zusätzlich benötigte landwirtschaftliche Flächen.
Vorbild Tanger Med: Pilotanlage bereits in Betrieb
Die Initiative der ABHS folgt auf die Inbetriebnahme der bislang größten schwimmenden Solaranlage Afrikas am Hafen von Tanger Med. Die dortige Anlage auf dem Reservoir Oued Rmel deckt nach Betreiberangaben rund zehn Prozent des Energiebedarfs des Hafens und gilt als Referenzprojekt für den Ausbau der Technologie im Königreich. Der Erfolg dieses Pilotprojekts gilt als einer der Gründe, warum nun auch für das deutlich größere Sebou-Becken eine systematische Prüfung angestoßen wird.
Das Sebou-Becken zählt zu den wasserreichsten Regionen Marokkos, ist aber ebenso wie andere Landesteile von den Folgen wiederkehrender Trockenperioden und hoher Sommertemperaturen betroffen, die zu spürbaren Verdunstungsverlusten aus den Stauseen führen. Die Regierung treibt parallel mehrere Strategien voran, um die Wasserversorgung des Landes langfristig zu sichern, darunter den Ausbau der Meerwasserentsalzung und ein landesweites Wassertransferprogramm zwischen den Flusseinzugsgebieten. Schwimmende Solarparks auf bestehenden Stauseen könnten diese Maßnahmen künftig ergänzen, ohne zusätzlichen Flächenverbrauch zu verursachen.
Teil der marokkanischen Energiewende
Das Sebou-Projekt reiht sich in eine Serie von Vorhaben ein, mit denen Marokko seine Kapazitäten bei erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren deutlich ausbauen will. Neben Solarenergie setzt das Land dabei auch auf Windkraft, etwa mit der geplanten Machbarkeitsstudie für den ersten Offshore-Windpark vor der Atlantikküste. Sollte sich das Potenzial der zwölf Sebou-Staudämme bestätigen, könnte die Technologie perspektivisch auch auf weitere der landesweit rund 150 großen Stauseen übertragen werden.
Quellen: TelQuel, La Vie Éco, Barlaman Today


