80 Lkw blockiert: Marokkos Trucker kämpfen erneut mit Chaos am Grenzübergang Rosso

Boote überqueren den Grenzfluss zwischen Mauretanien und Senegal am Übergang Rosso
Foto: WILLAV-FR, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkanische Lastwagenfahrer stecken erneut am Grenzübergang Rosso zwischen Mauretanien und Senegal fest. Nach Angaben der Union der internationalen und nationalen Transportfachleute (Union Générale des Professionnels du Transport International et National) sind mehr als 80 marokkanische Lkw an der Grenzstation blockiert, nachdem sich die Lage dort in den vergangenen Tagen erneut deutlich verschärft hat. Bereits einmal hatte die marokkanische Botschaft in Nouakchott vermittelt und für eine vorübergehende Entspannung gesorgt – nun sind die Probleme zurück.

Nur zwei Stunden Zeitfenster pro Tag

Laut Cherki El Hachemi, Generalsekretär der Transportgewerkschaft, dürfen marokkanische Fahrer an der Grenzstation faktisch nur zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag die Grenze passieren, während senegalesische und mauretanische Lastwagen von morgens bis 16 Uhr bevorzugt abgefertigt würden. In der Praxis schaffen es dadurch nur acht bis zehn marokkanische Fahrzeuge pro Tag über die Grenze. „Wir lehnen die Wiederholung dieser Probleme ab und wollen, dass der Verkehr über den Grenzübergang Rosso normal weiterläuft“, erklärte El Hachemi und sprach von einer klaren Bevorzugung senegalesischer und mauretanischer Lastwagen.

Die Wartezeiten treffen die Fahrer unter denkbar schlechten Bedingungen: Bei Temperaturen von 48 bis 50 Grad fehlt es am Grenzposten an Schatten, Verpflegung, Duschen und Ruhemöglichkeiten. Besonders gravierend wirkt sich das auf verderbliche Ladungen aus – Gemüse, Fisch und andere Lebensmittel für Märkte in Senegal, Mali und Burkina Faso verderben während der tagelangen Wartezeit, was für die Transportunternehmen erhebliche finanzielle Verluste bedeutet.

Mali-Route wegen Unsicherheit gemieden

Ein wesentlicher Grund für den Rückstau in Rosso liegt in der veränderten Streckenführung des marokkanischen Güterverkehrs nach Westafrika. Die traditionelle Route über Mali gilt wegen der instabilen Sicherheitslage inzwischen als zu gefährlich – bewaffnete Gruppen haben in der Vergangenheit wiederholt Lastwagen auf dieser Strecke angegriffen. Viele Transporteure weichen deshalb auf die Route über Senegal aus, was die Kapazitäten am ohnehin schon sensiblen Grenzübergang Rosso zusätzlich überlastet. Einige Fahrer sehen sich zudem gezwungen, auf die als unsicher geltende Ausweichstrecke über Bonsoula umzusteigen, auf der es nach Angaben der Gewerkschaft bereits mehrfach zu Verkehrsunfällen mit marokkanischen Fahrern kam. Verschärft wird die Lage durch längere Bearbeitungszeiten bei den nötigen Visa: Statt der früher üblichen 24 Stunden dauert die Ausstellung inzwischen vier Tage bis eine Woche.

Gewerkschaft droht mit Lieferstopp

Die Transportgewerkschaft fordert von den mauretanischen Behörden eine spürbare Verbesserung der Abfertigung am Grenzposten und rät marokkanischen Speditionen vorerst, Lieferungen in die Region auszusetzen. Sollte sich an der Situation nichts ändern, drohen nach Gewerkschaftsangaben Protestaktionen der Fahrer, die im äußersten Fall den gesamten Frachtverkehr in westafrikanische Märkte lahmlegen könnten. Rosso ist für den marokkanischen Straßengüterverkehr nach Westafrika ein zentraler Knotenpunkt, seit die Mali-Route weitgehend gemieden wird – Verzögerungen dort treffen damit nicht nur einzelne Speditionen, sondern den gesamten Handel Marokkos mit Senegal, Mali und den Ländern der weiteren Sahelzone.

Quellen: Hespress English, Le Brief

Nach oben scrollen